Die Großeltern taten es, die Eltern tun es noch und die junge Generation muss nun feststellen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Die Rede ist von der Geldanlage, die auf Zinsen basiert. Wir möchten nachfolgend näher beleuchten, wie sich fehlende Zinsen auswirken, wenn man die Inflation mit einbezieht. Die Anlagewelt ist auf den Kopf gestellt.

Zinsentwicklung in Europa

Im Jahre 2008 lag der Leitzins in Europa bei 4%, in 2012 bei 1% und seit März 2016 verharrt er auf der 0% Linie. Banken zahlen derzeit -0,4% Strafzins für ihre Einlagen. Der Zins ist von uns gegangen. Viele trauern ihm nach und wünschen sich die Zeiten zurück, in denen Zinsen auf Sparguthaben ausgeschüttet wurden. Die Gegenwart sieht anders aus. Das Gebot der Stunde heißt: umdenken und neu planen. Alte Rezepte funktionieren nicht mehr, neue Lösungen müssen her.

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Grafik 1: EZB – Leitzins Eurozone 2000 – 2019; Quelle: www.leitzinsen.info

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Was ist Inflation?

Als Inflation wird die Geldentwertung bezeichnet (Absinken des Geldwertes), hervorgerufen durch ein kontinuierliches Ansteigen des Preisniveaus für Endprodukte. Die Inflationsrate ist die durchschnittliche Teuerungsrate für Konsumgüter, Investitionsgüter und Dienstleistungen etc. .

Wie Inflation auf Geldwerte wirkt – Bankguthaben, Tagesgeld, Bausparverträge

Wer Geld auf Bankkonten lagert, für den bleibt die Auswirkung der Inflation zunächst verborgen, denn der Geldbetrag ist jederzeit nominal auf dem Konto sichtbar. Doch steigende Kosten bei Lebensmitteln, für Miete, Strom, Flüge, Züge und Steuern sorgen dafür, dass man jedes Jahr mehr Geld ausgeben muss, um die gleichen Dinge zu bezahlen. So hat sich das allgemeine Preisniveau seit der Euro-Einführung im Jahre 2002, im statistischen Durchschnitt ungefähr verdoppelt. Anders herum ausgedrückt, hat sich der Geldwert halbiert, weil Inflation die Kaufkraft des Geldes verringerte.

Die offizielle durchschnittliche Inflationsrate (=Teuerungsrate eines beispielhaften Warenkorbes) beträgt derzeit 1,6% pro Jahr und pendelt im Jahresdurchschnitt um 2%. Die Währungshüter der europäischen Zentralbank (EZB) erwarten eine Inflationsrate von über 2% p.a., bevor über eine Zinserhöhung nachgedacht wird (wobei auch das wirtschaftliche Umfeld stimmen muss). Inflation ist ein bewusstes politisches Instrument, denn im gleichen Maße wie Geldwerte sinken, sinken auf der anderen Seite Schuldwerte. So verliert Geld regelmäßig um den Satz der Inflationsrate an Wert. Es existiert kein Zins, um den entstehenden Kaufkraftverlust auszugleichen.

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Grafik 2: Inflationsrate Deutschland, Juni 2018 – Juni 2019; Quelle: de.statista.com


Ein Beispiel:
Bei 10.000€ auf einem Bankkonto, vermindert Inflation die Kaufkraft des Geldes um ~ 2% p.a.
Nach 5 Jahren beträgt der Kaufkraftlust bereits ~ 10%,
Nach 10 Jahren entspricht der Geldwert von 10.000€ inflationsbereinigt 8.171 €, ein Verlust von ~ 20%.

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Grafik 3: Tabelle – Inflation frisst Geldwert, Beispiel 2% Inflationsrate p.a., im Zeitverlauf bis 20 Jahre

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Fazit Inflation & Geldwert

Bereits zur Erhaltung der Kaufkraft des Geldes wird ein Kapitalzuwachs benötigt, um den inflationsbedingten Kaufkraftverlust auszugleichen. Eine tatsächliche Wertsteigerung kommt erst zu Stande, wenn ein Zuwachs (Wertsteigerung) über der Inflationsrate erzielt wird. Derzeit wird ein Zuwachs von ungefähr 2% pro Jahr benötigt, um den Geldwert effektiv zu erhalten. Wird diese Kapitalentwicklung nicht erzielt, spricht man von einer negativen Realverzinsung des Geldes = Geldentwertung.

Um es unzweifelhaft auszudrücken: Tagesgeldkonten sind im derzeitigen Zinsumfeld eine unrentable Anlage mit negativer Realverzinsung. Eine solche Betrachtung hatten wir im Beitrag vom 14. März 2016 begründet.
„Null Zinsen – Konsequenzen für Anleger“ -> die Zins-Sackgasse
https://www.depotzuwachs.de/null-zinsen-konsequenzen-fuer-anleger/

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Warum hält die europäische Notenbank (EZB) die Zinsen niedrig?

Wenn man es einfach halten möchte, sind zwei Gründe für die Notenbankpolitik verantwortlich:

  • Die hohe Verschuldung der schwächelnden EU-Mitgliedsstaaten (speziell in Südeuropa: Italien, Griechenland, …) macht es für diese Länder beinahe unmöglich Zinsen auf die Schulden zu bedienen, Zinsverpflichtungen würden über kurz oder lang zur Pleite der Staaten führen.
  • Der Zins ist so niedrig, weil wir zu viel Ersparnis und zu wenig Investitionen haben, es gibt zu viel fehlgeleitetes Geld. Der niedrige Zins soll dahingehend stimulieren, unproduktives Kapital (Kontoguthaben) in Produktivkapital zu verschieben (Investitionen), um Wirtschaftswachstum anzuregen.

Inflation kann hoch steigen

Das erklärte Ziel der europäischen Zentralbank (EZB) ist eine Inflationsrate oberhalb von 2%, darunter wird es keine Zinserhöhung geben, zumindest nach jetzigen Aussagen. Verfolgt man die jüngsten Äußerungen der Notenbänker, wird sogar von weiteren Absichten in Richtung Zinssenkungen gesprochen. Ob dies durch höhere Strafzinsen oder direkte Maßnahmen zur Geldbeschneidung erreicht werden soll, wird noch offen gelassen. Die designierte neue EZB-Chefin, Christine Lagard, leitete bisher den Internationalen Währungsfonds IWF und ist bestens mit dem Werkzeugkasten der Geldpolitik vertraut. Man darf gespannt sein was da auf uns zukommt.

Schaut man sich das o.g. Beispiel (Grafik 3 „Geldentwertung durch Inflation“) bei 2% Inflation an und kalkuliert stattdessen mit einer Inflationsrate von 4%, dann schmilzt der Geldwert mit doppeltem Tempo. Geschichtlich betrachtet entspricht das derzeitige Umfeld in Europa einer sehr geringen Inflation.

Als in Argentinien im Jahre 2012 die Inflationsrate bei 30% stand, räumten die Bürger ihre Konten ab und schichteten kräftig in Unternehmensbeteiligungen (Aktien) um. Nicht um damit Gewinne zu erzielen, sondern um das Kapital zu schützen, zu erhalten, in Sicherheit zu bringen. Wir berichteten am 29. September 2014:
„Argentinien – Bevölkerung flüchtet in Aktien“
https://www.depotzuwachs.de/argentinien-bevolkerung-fluchtet-in-aktien/

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Globalisierung verhindert Inflation, nun behindert Mr. Trump Globalisierung

In den letzten beiden Jahrzehnten wurden häufig höhere Inflationsraten vorhergesagt. Allerdings gab es einen wesentlichen Effekt der dies verhinderte, die Globalisierung. In einer sich immer weiter vernetzenden Welt, konnte die Warenproduktion in Billiglohnländer ausgelagert werden, sodass der Preis vieler Produkte gleich blieb oder fiel. Auch neue Technologien und Automatisierung führten zur Verbesserung von Effizienzen und Kostenvorteilen. Durch immer mehr und immer größere Frachtschiffe entstanden Überkapazitäten auf Transportwegen, wodurch sich globale Warentransporte regelmäßig verbilligten und Inflation entgegen wirkten.

Doch 2017 änderte Mr. Trump die Welt, indem er Zölle, Einfuhrbeschränkungen und Protektionismus, anstatt einer weiteren Globalisierung anstieß. Wenn nun durch politische Steuerung, eine Rückentwicklung der weltweiten Handelsbeziehungen in das Geschäftsverhalten der Unternehmen Einzug halten sollte, gewollt oder ungewollt, wird dies unausweichlich durchschlagende Effekte auf die Preisentwicklung haben. So wie die Verschmelzung im globalen Handel auf allen Seiten Vorteile brachte, bedeutet Ent-Globalisierung letztlich eine potentielle Triebkraft für höhere Inflationsraten. Protektionismus bringt keine Gewinner, es wird teurer, für alle Seiten.

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Was der Inflationseffekt für die Altersvorsorge bedeutet

Besonders ausgeprägt ist der Effekt des Kaufkraftverlustes dann, wenn es um langfristige Sparanlagen geht. Zum Beispiel für die Altersvorsorge. Sie ahnen wo die Reise hingeht.

In der Altersvorsorge geht es natürlich darum, möglichst einen Kapitalzuwachs zu erzielen. Hierfür wird eine Wertsteigerung in zweifacher Hinsicht benötigt. Mit der Wertsteigerung muss zuerst der Kaufkraftverlust ausgeglichen werden, dazu muss die Rendite mindestens in Höhe der Inflationsrate liegen. Erst eine darüber hinaus gehende Wertsteigerung bringt eine echte Rendite auf die angelegten Sparbeiträge.

Beispiel: Bei einer durchschnittlichen Wertentwicklung einer Anlage von 4%, werden derzeit 2% zum Inflationsausgleich benötigt. Für den effektiven Wertzuwachs darf mit den übrigen 2% gerechnet werden, die noch um Kosten und Steuern zu bereinigen sind.

Das Drama der klassischen (verzinslichen) Lebensversicherung
Nun ist natürlich der Einwand gerechtfertigt, dass man Altersvorsorge allgemein nicht mit Bankguthaben aufbaut. Betrachten wir deshalb des Deutschen liebstes Produkt zur Altersvorsorge, die verzinsliche Kapitalbildende Lebensversicherung.

Hier findet die Kapitalbildung über eine Lebensversicherungsgesellschaft statt, die das Geld im Vertrag sammelt, überwiegend verzinslich anlegt und eine spätere Auszahlung verspricht. Mit der klassischen Lebensversicherung ist auch eine Kapitalgarantie verbunden. Wer heutzutage auf ein Vorsorgeprodukt zurückgreift welches eine Kapitalgarantie beinhaltet, wie es dem konservativen Anleger angenehm erscheint, für den klingt „Garantie“ zunächst nicht schlecht. Immerhin sind Verluste augenscheinlich ausgeschlossen. Oder?

Vorsorgeprodukte mit Garantie basieren auf einem mathematischen Abzinsungsmodell, mit dem die Garantie, also das Rückzahlungsversprechen zum Ablaufzeitpunkt, vom Produktgeber kalkuliert wird.
Dazu reicht es, sich im aktuellen Nullzinsumfeld die Frage zu stellen: „Wie funktioniert ein Abzinsungsmodell ohne Zins?“ Sie kennen die Antwort: gar nicht.

Aufgrund der Garantie muss der Versicherer auf sichere Anlagen setzen, mit denen kein späteres Risiko (zum Zeitpunkt des Vertragsablaufes) am Versicherer hängen bleibt. Sonst wäre der Versicherer selbst gefährdet. Das Versprechen des Produktanbieters gewährleistet eine Kapitalgarantie = eine Auszahlung in Höhe der eingezahlten Sparbeträge, nach 20 bis 40 Jahren Anlagedauer.

Unterzieht man diese zu erwartende Auszahlungssumme nun der Inflationsbetrachtung, so ergibt sich ein eher unerfreuliches Bild. Je nach Laufzeit und Inflationsrate stellt man fest, wie durch den Inflationseffekt ein erheblicher Kaufkraftverlust zum Tragen kommt. Das Kapital vermehrt sich nicht, aber die Kaufkraft schrumpft. Wahrscheinlich würde niemand auf die Idee kommen, sein Geld mit einem garantierten Wertverlust anzulegen. Bei derartigen Verträgen ist dies mittlerweile unausweichlich.

Dazu noch einmal der Bezug auf Grafik 3, aus der hervorgeht:
Bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren und einer angenommenen Inflationsrate von 2%, verliert des Geld ca. 1/3 an Kaufkraft, 10.000€ besitzen nach 20 Jahren noch einen Wert von 6.670€. Dies gilt hier deshalb, weil durch das Garantieversprechen in Lebensversicherungsprodukten keine Wertsteigerung mehr stattfinden kann. Es fehlt der Zins, um der Entwertung durch Inflation entgegen zu wirken.

Die Garantiezusage von klassischen LV-Verträgen stellt sich unter der Inflationsbetrachtung als Verlustmodell heraus. Aus diesem Grund wird der seriöse Anlageberater Garantiemodelle genau erklären, um die damit einhergehenden Verlustrisiken bewusst zu machen und zwischen Hoffnung und Realität zu unterscheiden.
Ohne diese Informationen gerät der Sparwillige direkt in den Prozess der dauerhaften Geldentwertung. Ein hinterlistiger Nebeneffekt, der sich in der Kausalität zwischen Inflation und dem fehlenden Zins versteckt.

„Vergangenheitsergebnisse sind keine Garantie für die Zukunft“, heißt es bei allen Kapitalanlageprodukten. Dies trifft nun auch auf vermeintlich sichere Produkte zu, weil die „alte Welt“ mit Zinsen, keine Orientierung für die „neue Zeit“ ohne Zinsen liefern kann.

  • In zinslosen Zeiten halten wir eine konzeptionelle Anlageplanung für wichtiger denn je. Eine klare Struktur für den kurz-, mittel-, und langfristigen Kapitalaufbau, muss mit unterschiedlichen, geeigneten Produkte ineinandergreifen und zu einem persönlichen, lebensbegleitenden Kapitalplan zusammenfließen.
    Zumindest entspricht dies unserer Auffassung von Finanzdienstleistung.

Wir sind seit 20 Jahren im Umgang mit Investmentfonds vertraut und kennen die Stärken und Schwächen die damit einhergehen. Vor 20 Jahren waren Fonds eher ein Nischenprodukt. Heutzutage sind Investmentfonds, in ihren vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, eine der überschaubaren verbliebenen Konzepte, um die Herausforderungen des Kapitalaufbaus und der Kapitalerhaltung beantworten zu können.

André Klatt

Mehr dazu ->  Die Vielfalt der Möglichkeiten – 5 Tipps für den Anlagerfolg

Als Anleger kann man fragen, ob bei der Auswertung der Anlageentwicklungen wirklich immer die großen Themen der Welt berücksichtigt werden müssen? Antwort: Ja. Denn in einer globalisierten Welt bestimmen die Rahmenbedingungen das Marktgeschehen erheblich mit, dies galt in 2018 besonders.

Was in 2018 die Börsen bewegte

Zunächst macht es Sinn etwas heraus zu zoomen und 2017 in die Betrachtung einzubeziehen, weil es ein ungewöhnlich ruhiges Börsenjahr war. In 2018 kehrte insofern ein Stück Börsennormalität zurück, allerdings schwankten die Kurse im letzten Quartal besonders stark.

Mit den Rahmenbedingungen hat sich an den Märkten gezeigt was passiert, wenn Politik Probleme erschafft, anstatt Probleme zu lösen. Die Beispiele dafür waren auffällig vielfältig:

  • In den USA versuchte Präsident Trump das eigene Land von der Welt abzugrenzen, nachdem die Welt sich über Jahrzehnte hinweg vernetzt hat.
  • Die US-Notenbank erhöht die Zinsen (2,5%), in der Hoffnung auf eine weiter florierende Wirtschaft, entzieht dem System jedoch erheblich den Schmierstoff, die Liquidität.
  • In Großbritannien führte die Umsetzung des BREXIT zum politischen Durcheinander, mit Unwägbarkeiten für die gesamte Wirtschaft Europas.
  • Die EU erschafft mit großem Eifer neue Regulierungen und belastet damit Unternehmen verschiedener Branchen. Regeln die als Verbraucherschutz gedacht waren (Abgasrichtlinien, Datenschutz), stellten sich als unternehmerische Hürden heraus.
  • Die Zinspolitik der europäischen Zentralbank EZB (Leitzins 0,0%) belastet die europäische Finanzwelt, besonders der Strafzins belastet Banken (-0,4%) und Versicherer müssen kämpfen.
  • In Folge der Handelsstreitigkeiten geriet Chinas Wirtschaft in Bedrängnis, was wiederum Schatten auf die Weltwirtschaft zurückwirft. All dies war 2018.

Die Summe der politischen Einflüsse trübte schließlich die Stimmung in der Wirtschaft, wirkte wie Sand im Getriebe, und schwappte allmählich auf die Börsen über. Mit Beginn des 4. Quartals kam plötzlich Nervosität in den Märkte. Die US-Börsen erlebten infolge der zunehmend negativen Marktstimmung das schwächste Quartalsergebnis (S&P 500 -15%) seit den 1930`er Jahren. Die Ergebnisse fast aller Anlageklassen gerieten schließlich in die Verlustzone. Technologieaktien (FANG) waren die Gewinner der letzten Jahre und gaben nun im Schnitt um -30% von ihren Höchstkursen nach.

 

 

Die europäischen Börsen hatten vom Start weg kein gutes Jahr (EuroStoxx50 -13%). Für deutsche Aktien herrschte große Skepsis (DAX -18%). Weil deutsche Unternehmen als „Exportweltmeister“ in einer Welt mit Handelsbarrieren womöglich als Verlierer dastehen könnten, wurde kräftig ausländisches Anlagekapital abgezogen. Der DAX war besonders von den Bank- und Automobilaktien belastet (z.B. Dt. Bank -50%, Daimler -40%, Continental -50%).
Bei vielen kleineren Aktienwerten kam es zu auffälligen Kursbewegungen. So knickten die Kurse bei einigen europäischen und deutschen Nebenwerten zwischen -30% und -50% ein, ohne dass die Unternehmen irgendwelche negativen Meldungen zu berichten hatten. Derartige Verwerfungen in der Handelsliquidität waren zuletzt während der Finanzkrise 2007/2008 zu beobachten.

In den letzten Dezembertagen ähnelte die Börsenentwicklung einer panikartigen Verkaufswelle. Umfragen unter Börsianern brachten zu Tage, dass historisch noch nie ein größerer Pessimismus gemessen wurde. Es herrschte eine Art Ausnahmezustand, der exakt bis zum Jahreswechsel anhielt.

Einzig Gold wurde in diesem Umfeld seinem Ruf des „sicheren Hafens“ in Krisenphasen gerecht.

Und plötzlich … der Jahreswechsel führt zum Stimmungswechsel

Zum Jahresbeginn drehte die Marktstimmung zum Positiven und die Kurse begannen wieder zu steigen. Im Januar und Februar wurde bereits ein großer Teil der vorherigen Rückgänge wieder aufgeholt, speziell an den US-Börsen. Auch in anderen Regionen, zum Beispiel in den Schwellenländern, erholten sich die Kurse bereits im zweistelligen Prozentbereich. Der DAX hinkt noch immer hinterher.
Nachfolgend die Wertentwicklung einiger Indizes vom 01. Januar bis 26. Februar 2019:

 

 

Die Entspannung der Märkte in den ersten Wochen des neuen Jahres ist eine Reaktion auf die vorherige Anspannung, auf ein übertrieben negatives Szenario. Denn grundsätzlich wächst die Wirtschaft weiterhin. Die Prognosen des IWF zum Wirtschaftswachstum für 2019 (Welt 3,2%, Europa 1,6%, Asien 6,4%) wurden zwar etwas nach unten korrigiert, doch eine Verlangsamung der Wachstumsdynamik ist noch keine Rezession (wie befürchtet). Zudem geht es den meisten Unternehmen gut, die jüngsten Quartalsberichte stimmten Investoren größtenteils zufrieden.

  • Anders gesagt: Die Kapitalmärkte haben eine Wirtschaftsschwäche vorweggenommen, die so nicht da ist und auch nicht kommen muss. Bleiben die Unternehmensergebnisse nur stabil, wäre die Börsenbewertung eher als günstig zu erachten. Kein Grund zur Euphorie, aber ein erheblicher Unterschied zum Ausblick 2018!

Vorausblickend auf den weiteren Jahresverlauf bleiben die politischen Themen der Unsicherheitsfaktor. Die Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit USA vs. China steigt, da es sich aus ökonomischer Sicht keine der Seiten leisten kann längerfristig als Verlierer da zu stehen. Zudem will/muss Mr. Trump Gründe für eine mögliche Wiederwahl präsentieren. Die US-Notenbank hat direkt zum Jahresbeginn mehr Vorsicht in der Zinspolitik und mehr Rücksicht auf die Wirtschaftsdaten bei künftigen Zinsentscheidungen eingeräumt. Dieser Punkt gilt als ein Auslöser der jüngsten Markterholung. Und, die Aussicht auf eine BREXIT-Einigung wird grundsätzlich etwas positiver eingeschätzt, trotzdem das Ende völlig offen bleibt. Allgemein tendieren die Markterwartungen also zunächst in Richtung Entspannung.

Gute Fonds schlagen den Index … dauerhaft!

Die Marktphase in Q4 2018 liefert eine lehrreiche Botschaft für Anleger:
Wer sich womöglich Ende 2018 aus emotionalen Gründen zum Verkauf seiner Anlagen verleiten lies, musste anschließend steigenden Kursen hinterherschauen. Besser war es, geduldig zu bleiben und nichts zu tun. Das gilt nicht nur für diese Marktphase.

  • Beim Investieren gilt stets: Sein langfristiges Anlageziel im Auge behalten und sich nicht durch aufkommende Emotionen oder kurzfristige Marktbewegungen verunsichern lassen.

Das vorbeschriebene, allgemeine Marktumfeld stellte für alle Fondsmanager eine Herausforderung dar. In den letzten Jahrzehnten war es zum Beispiel für Mischfonds möglich, bei schwachen Aktienmärkten auf die Zinsseite zu wechseln und damit Erträge zu erzielen. Dieser Rückhalt existiert nun nicht mehr. Jedes Prozent Ertrag oberhalb der Marktmöglichkeiten, muss hart erarbeitet werden. Gerade in schwierigen Marktphasen treten die Fähigkeiten der Manager ungeschminkt zu Tage und helfen uns in der Unterscheidung der Fondsquälitäten.

 

 

Die Grafik zeigt die jeweils kumulierten Wertentwicklungen der letzten 5 Jahre, zum Stichtag 31.12.2018.
Wir haben die Ergebnisse von verschiedenen Aktien- und Mischfonds mit dem Index bzw. der Vergleichsgruppe gegenübergestellt.

Beispiel „Aktienfonds Weltweit“

Der graue Balken in der Mitte zeigt die Wertentwicklung des Index, in diesem Fall handelt es sich um den MSCI Welt (50%). Der grüne Balken darüber präsentiert das Ergebnis eines Top Fonds (65%), der nach unseren Kriterien selektiert wurde und sich tatsächlich in Kundenportfolios befindet. Der rote Balken darunter visualisiert die Entwicklung eines schwachen Fonds (13%) der Kategorie, in diesem Fall ist es ein bekannter Aktienfonds-Klassiker.

  • Je nachdem wo ein Anleger investiert war, zeigt sich in allen Kategorien ein erheblicher Unterschied im Anlageergebnis. Mit einem schwachen Fonds kann man deutlich hinter dem Index zurückbleiben. Ein Top Fonds kann wesentlich bessere Wertsteigerungen gegenüber dem Index erzielen..
  • In den verschiedenen Regionen/Kategorien liegt das Spektrum der Möglichkeiten zudem weit auseinander. Zum Beispiel gelingt es auch schwachen europäischen Fonds den Index (EuroStoxx50) hinter sich zu lassen, während ein europäischer Top-Aktienfonds den Index regelrecht pulverisieren konnte..
  • Unter den Mischfonds sind ähnliche Ergebnisse im ausgewogenen, wie im dynamischen Chance-Risiko-Verhältnis zu finden. Hier zeigt sich, dass es auch für Profis schwierig ist Markt-Timing erfolgreich zu betreiben.
    Schließlich versuchen Manager in beiden Mischfonds-Kategorien, Risiken bei fallenden Kursen zu begrenzen und Chancen bei steigenden Märkten zu nutzen. Hier zeigt sich, dass es nicht so sehr auf die Art des Fonds, sondern vielmehr auf die Fähigkeiten des konkreten Managements ankommt.

In allen Kategorien besteht das Spitzenfeld der Top Fonds aus einem kleinen, erlesenen Kreis hervorragender Fondsmanager. Nicht Jeder ist jedes Jahr ganz vorn dabei, jedoch gelingt es Ihnen im Zeitverlauf einen systematischen Vorsprung gegenüber dem Index herauszuarbeiten. Die dargestellten Verhältnismäßigkeiten verbildlichen unseren Leitspruch, wie auch unseren Anspruch:

85% der offenen Investmentfonds sind nicht in der Lage, dauerhaft besser abzuschneiden als ihr Vergleichsindex. Kein Grund die erfolgreichen 15% zu ignorieren. Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen dem anspruchsvollen Kapitalanleger und den hervorragenden Vermögensverwaltern unserer Zeit.

Ich wünsche gute Anlageentscheidungen
André Klatt

 

Der Fondskongress ist die wichtigste alljährliche Messe für die Kapitalanlagebranche in Deutschland. An zwei Tagen präsentieren 220 Aussteller von Kapitalanlagegesellschaften aus aller Welt, Banken und Versicherungen ihre Produkte. Parallel finden im halbstündigen Rhythmus über 200 Fachvorträge statt. In 12 Sälen stellen Fondsmanager und Fachexperten ihre Produkte vor, werten Ergebnisse aus, erläutern Marktentwicklungen und beleuchten aktuelle und kommende Trends. Die Themenvielfalt ist enorm breit gefächert und beinahe jede globale Entwicklung ist auch Diskussionsthema der Finanzwelt. Dazu kommen alljährlich bis zu 10.000 Besucher, überwiegend Finanzberater, ins Kongresscenter Rosengarten nach Mannheim.
https://www.fondsprofessionell.de/kongress/2019/

 

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Besondere Aufmerksamkeit galt in diesem Jahr dem Thema nachhaltiges Investieren. Dabei versteht man neben der klassischen Attraktivität einer Anlage, die Berücksichtigung von Umweltthemen, Sozialverträglichkeit und humanitär verantwortungsvoller Führung von Unternehmen.
Die Kapitalverwalter nehmen eine besondere Rolle ein, denn sie müssen genau prüfen wie ein Unternehmen mit den ESG Kriterien umgeht, bevor die Entscheidung über eine Investition fällt. Damit übernimmt der Fondsverwalter die Verantwortung über die Anlagegelder, stellvertretend für die Fondsanleger und muss entscheiden welche Geschäftspraktiken nicht akzeptabel sind. In der Folge wird das Fondskapital nur in Unternehmen investiert, welche die Kriterien erfüllen oder bereit sind ihre Geschäftsprozesse zu optimieren.
Auf diese Weise kann der Anleger mitentscheiden, in welche Unternehmen sein Geld fließt, indem er sich passende Fonds auswählt. Eine gute Entwicklung für Anleger die Welt mit zu gestalten.

 

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Nach der schlechten Marktstimmung zum Ende 2018, war die Stimmung nun recht positiv, denn im Januar setzte eine deutliche Erholung der Börsen ein. Besonders bei einigen Mischfondsmanagern wurde in 2018 auf Kapitalschutz gesetzt und der Aktienanteil war reduziert. Bei diesen Fondsmanagern wurden die schwachen Aktienkurse um den Jahreswechsel zum Einstieg genutzt und so können sich die Ergebnisse im noch jungen 2019 sehen lassen. Fazit: Die Verluste in der Abwärtsphase wurden begrenzt und von der jüngsten Markterholung wurde profitiert, aktives Fondsmanagement wie es sein soll.

Eine ziemliche Ratlosigkeit herrschte bei Produktanbietern zu klassischen Geldanlagen die abhängig vom Zins sind. Der Leitzins in Europa steht bei 0,0% und die Aussichten auf höhere Zinsen bleiben auf absehbare Zeit düster, so die vorherrschende Meinung. So wie in der Branche mittlerweile klar ist das mit Zinsanlagen nichts zu holen ist, muss auch der Anleger akzeptieren, dass eine Zeitenwende im Gange ist. Klassische Bankanlagen, sowie Bausparverträge und klassische Lebensversicherungen sind chancenlose Vehikel, die weder zum Kapitalerhalt noch zur Kapitalvermehrung taugen. Die altgewohnten Antworten aus den letzten Jahrzehnten sind für die Zukunft unbrauchbar. Womit wir wieder zu den Produkten kommen, die Chancen bieten.

 

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Allgemein herrscht bei den Fondsgesellschaften eine gewisse Zuversicht auf Lösungen bei den derzeit überragenden Themen Handelsstreit USA vs. China und BREXIT. Viele warten darauf, wieder in die Märkte zurück zu kehren und zu investieren sobald Lösungen absehbar sind, sodass viel Liquidität bereitsteht.

Einer der interessantesten Vorträge ist jedes Jahr der Marktausblick von Fondsmanager-Urgestein Dr. Jens Ehrhardt. Seit über 40 Jahren richtet er sein Leben nach dem Börsengeschehen und zählt zu Deutschlands größten und erfolgreichsten Vermögensverwaltern. Er präsentierte seine Sichtweise auf Kapitalströme und Markttrends, sowie sich daraus ergebende Chancen und Risiken. Für 2019 hält er z.B. Gold für eine interessante Beimischung, weil kaum jemand investiert ist, eine antizyklische Idee.

 

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Zukunftshemen wie globales Bevölkerungswachstum, älter werdende Gesellschaften und technologischer Fortschritt zählen ebenso zu den Herausforderungen unserer Zeit, wie die Notwendigkeit die natürlichen Ressourcen effizienter zu nutzen und die Umwelt besser zu schützen. Immer mehr Fondsmanager berücksichtigen diese Themen in ihren Produkten, denn mit Lösungsansätzen zu den „Themen die die Welt bewegen“, können Unternehmen ihren Wert steigern und damit zur Wertsteigerung für Anleger beitragen. Kurzfristige Marktschwankungen ändern nichts an diesen Grundlagen.

Für mich einmal mehr eine spannende und inspirierende Veranstaltung, mit nützlichen Informationen zu bestehenden Fonds, neuen interessanten Produktideen und vielen tollen Gesprächen.