Die Sommermonate glänzten nicht nur mit wunderbar warmen Temperaturen, auch die Kurse der meisten Aktienindizes sorgten für gute Stimmung bei Anlegern. Im Anschluss an die Brexit-Sorgen, die mittlerweile kaum noch eine Rolle spielen, eroberten speziell die europäischen Börsen die Stände vom Jahresanfang zurück.
In den USA befinden sich Dow Jones und Nasdaq bereits auf historisch neuen Höchstkursen, zudem genießen die Schwellenländer in diesem Jahr wieder das Vertrauen der Investoren und erzielten teilweise Kurszuwächse im zweistelligen Prozentbereich.

Doch so langsam neigt sich der Sommer dem Ende entgegen und herbstliche Stimmungswolken verbreiten sich auch über dem Börsenparkett. Wer sich regelmäßig mit den Kapitalmärkten beschäftigt weiss natürlich, dass die historisch schwächsten Börsenmonate begonnen haben. Im September und Oktober muss alljährlich mit erhöhten Kursschwankungen gerechnet werden, wie der saisonale Verlauf verdeutlicht. Vor allem kurzfristig agierende Marktteilnehmer sind entsprechend nervös.
Ab November sorgt dann das Weihnachtsgeschäft für neue Fantasie, denn vielen Unternehmen bringt die „Zeit des Schenkens“ gute Geschäftsergebnisse ein, was wiederum den Optimismus von Aktionären rechtfertigt.

Die nachfolgende Grafik zeigt den saisonalen, durchschnittlichen Kursverlauf des marktbreiten S&P 500 Index (USA) der letzten 30 Jahre:

SeasonalChart_S&P500_30Jahre

Daraus resultiert: Speziell die Herbstmonate gelten als nervöse Jahreszeit an den Kapitalmärkten. Oft bieten sich in dieser Zeit gute Gelegenheiten, um gezielt Investitionen aufzustocken.

Gründe für die aktuelle Marktschwäche

Begibt man sich auf die Suche nach konkreten Ursachen für die derzeit nervösen Märkte, stellt man fest, die Notenbanken spielen nach wie vor eine dominierende Rolle im Marktgeschehen:

  • So hat die europäische Zentralbank (EZB) am 08.09.2016 die Markterwartungen dadurch enttäuscht, dass keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen beschlossen wurden.
  • Im Vorfeld der nächsten Zinssitzung der US-Notenbank (FED), welche am 21.09. stattfindet, wird über eine mögliche plötzliche Erhöhung des US-Leitzinses diskutiert, deshalb gaben die Aktienkurse in den letzten Tagen nach.
  • Die Besonderheit in diesem Jahr ist die US-Präsidentenwahl, die bis Mitte November die Märkte zusätzlich beeinflusst.

Bemerkenswerte Beobachtungen zum Gold

Der Goldpreis eroberte in diesem Jahr viele Anlegerherzen für sich. Sogar bei jenen, die im letzten Jahr so richtig pessimistische Aussichten verbreitet hatten.
Zum Beispiel hatte eine 100%-ige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank im August 2015 folgendes veröffentlicht: „Wir sehen in Gold eine volatile und riskante Anlageform ohne inneren Wert … Auch mittelfristig erwarten wir keine Preiserholung“ (Quelle: http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/vermoegensverwalter-sehen-keine-erholung-sal-oppenheim-wirft-gold-aus-kundendepots/12140450.html )

Die meisten anderen Banken riefen zum Jahreswechsel ebenso niedrige Erwartungen zum Edelmetall aus und prognostizierten teils dreistellige Kursziele. Die durchschnittliche Prognose für den Goldpreis per Ende 2016, über alle Banken hinweg, lag bei rund 1050$ je Unze Gold (1 Unze = Feinunze = 31,1g).

Was seither geschah?
Anfang Januar 2016 notierte der Goldpreis bei 1.060 $ je Unze, auf einem mehrjährigen Tiefstkurs. Seither kam es zu einer stattlichen Erholung, auf nunmehr 1.315$ je Unze.

Goldpreis in USD, Entwicklung 1 Jahr, 16. September 2015 – 16. September 2016:

Goldpreis_1Jahr_160915-160916

Quelle: Goldseiten.de http://www.goldseiten.de/kurse/Goldcharts-USD.php

Mit steigenden Goldpreisen im Jahresverlauf, drehte sich plötzlich die Meinung der Banken. Aktuell sind reihenweise Empfehlungen von Banken nachvollziehbar, die jetzt über die Wichtigkeit von Gold als Anlagevehikel und guten Aussichten für den Goldpreis berichten. Allerdings notiert das Edelmetall nun gut 25% über der (tatsächlich) günstigen Kaufgelegenheit vom Jahresanfang 2016.

Zum Beispiel begründete die Deutsche Bank am 29.08.2016 in einer Analyse, dass der Goldpreis weiteres Potential auf 1.700 $ je Unze habe. (Quelle: http://www.goldseiten.de/artikel/299031–Deutsche-Bank~-Warum-Gold-1700–kosten-sollte.html )

Zusammenfassend: Viele Banken rieten zum Jahresbeginn, bei 1.050 $, zum Ausstieg aus Gold. Bei jetzigen Preisen um 1.320 $ verweist man plötzlich auf weiteres Potential, wie im vorbenannten Beispiel.
Nicht die jetzige Begründung für einen weiteren Anstieg halten wir für bemerkenswert, sondern den Widerspruch und das fragwürdige Timing für die Anleger, welche diesem Rat evtl. gefolgt sind. Erst verkauft man zu tiefen Kursen und ein Jahr später kauft man deutlich teurer wieder ein?
-> Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung dazu.

  • Wer uns kennt, der weiss, wir betrachten Gold seit fast 15 Jahren als einen wertvollen Baustein in Anlageportfolios. Daran hat sich nichts geändert.

Wahrscheinlich ist für Gold zunächst folgendes Szenario: Käme es nun zu einer Zinsanhebung in den USA, würde ein daraus hervorgehender stärkerer US-Dollar den Anstieg der Edelmetallkurse erst einmal bremsen. Kurzfristig ein Grund für zurückhaltenden Optimismus. Mittel- und langfristig dürften die Zinsen weiter auf niedrigen Niveau verharren und die Aussichten für Gold und Silber sollten, nicht nur aus diesem Grund, tatsächlich glänzend sein.

Fazit allgemein

Die gähnende Tiefe der Zinsen zwingt Anleger, die mittel- bis langfristige Wertsteigerungen erzielen möchten oder diese für ihre Vorsorgeziele benötigen, heraus aus verzinslichen Anlagen (siehe unseren Kommentar vom 14.03.2016: Null-Zinsen-Konsequenzen-für-Anleger).
Allternative Anlagestrategien benötigen eine breite Streuung, sodass man heutzutage kaum auf einen gewissen Aktienanteil im Portfolio verzichten kann.

Zwar sind die Aktienmärkte nicht mehr günstig, aber in Anbetracht der Anlage-Alternativen auch nicht überteuert. Zudem bieten sich in der globalen Sichtweise deutliche Bewertungsunterschiede. Während US-Aktien relativ teuer sind, finden sich in Europa und Asien günstigere Bewertungen.

Nach unserer langjährig gereiften Überzeugung kann nur derjenige echte Chancen auf Kapitalerhalt und Wertsteigerung finden, der sich die Mühe macht, auch aussichtsreiche Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen zu selektieren. Fonds die in Ihrer Wertpapierauswahl gezieltes Stockpicking betreiben, besitzen deshalb die besten Anlagechancen (Stockpicking = Fonds die mit ihren Investitionsentscheidungen nicht an Indizes gebunden sind, sondern ausschließlich eine attraktive Einzeltitelauswahl betreiben. Im Gegensatz dazu steht ein passives Investment, z.B. ein ETF, dieser bildet nur einen Index nach).

Wir greifen auf die erfolgreichsten aktiven Fondsmanager verschiedener Kategorien, Regionen und Branchen zurück und entwickeln daraus passende Anlagelösungen mit Investmentfonds.
Eine zeitlose Strategie.

Am Morgen des 24.06.2016 wird bekannt, dass rund 52% der Briten für einen Ausstieg Grossbritanniens aus der EU gestimmt haben. Die deutliche Mehrheit der Marktteilnehmer und der Marktexperten hatten jedoch damit gerechnet, dass die Briten in der EU bleiben werden.

Die Kapitalmärkte reagierten aufgrund dieser Überraschung entsprechend deutlich. DAX und EUROSTOXX starteten zum Handelsbeginn rund 10% im Verlust, konnten sich im Tagesverlauf bereits von den Tiefstkursen erholen. Besonders Bankaktien zählten zu den größten Verlieren (um -20%), während sich konsumorientierte Unternehmen, Lebensmittelhersteller und Pharmawerte stabil, fast unbeeindruckt zeigten. Die Logik ist einfach, Nahrung, Hygieneartikel und Medikamente werden in jeden Umfeld benötigt.
Besonders positiv reagierten die Edelmetallpreise, der Goldpreis legte direkt um 5% zu.

Marktbewegungen – kurzfristige Spekulanten auf dem falschen Fuss erwischt

Es muss davon ausgegangen werden, dass die ersten Marktbewegungen hauptsächlich von Tradern bestimmt wurden, d.h. es erfolgte ein Abbau von überwiegend den Positionen, die sich im Vorfeld auf eine bestimmte Bewegung festgelegt hatten und ihre Positionierung nun glattstellen mussten.

An solchen Tagen halten sich langfristige Investoren mit ihren Reaktionen überwiegend zurück. Die Marktbewegungen um solche Termine herum sind also nicht als fundamentale Reaktionen zu verstehen, vielmehr findet man sich in einem Tradingumfeld, mit der Konsequenz die Bewegungen nicht über zu interpretieren. Es handelt sich zunächst nicht um die Ausbildung neuer Trends, sondern um Tagesgeschäft. Für mittel- und langfristig strategisch gut aufgestellte Anlagen besteht wenig Grund in einem solchen Umfeld zu aktiv zu handeln.

Besonnenheit kehrt zurück

Die Bewegungen der Aktien- und Rentenmärkte in den Tagen danach zeigen insgesamt eine Beruhigung der Gemüter und der Kurse. Die Aktienmärkte nähern sich langsam wieder dem Niveau an, auf welchem Sie sich einige Tage vor der BREXIT – Entscheidung befanden. Edelmetalle wie Gold und Silber profitieren jedoch weiter und glänzen mit steigenden Kursen.

Anlagestrategie geht vor

Um die Auswirkungen auf die Asset Allokation zu durchdringen, gilt es nun die mittelfristigen wirtschaftlichen Konsequenzen zu fokussieren, hier kann man sich in Ruhe ins Research begeben. Jedoch auch in dem Bewusstsein, dass die Unsicherheiten aus den politischen Folgen noch einige Wellen schlagen können. Trotzdem ist die Politik nicht die Perspektive, aus welcher man die Kapitalmärkte einschätzen sollte.

Deshalb stellen sich für die Steuerung von Kapitalanlagen vordergründig die Fragen nach dem unmittelbaren Geschäftsumfeld für Unternehmen, wie beispielsweise:

  • Welche wirtschaftlichen Entwicklungen ergeben sich aus den Konsequenzen der Brexit – Entscheidung?
    Welche Auswirkungen bringen die Währungsentwicklungen zwischen britischem Pfund (GBP), Euro und USD mit sich?
    In welchen Regionen oder Branchen ist mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstum zu rechnen und wer kann profitieren?
    Wo liegen strukturelle Gewinner und Verlierer?

Darauf aufbauend gilt es eine Anwendung der getroffenen Einschätzungen für die Portfoliostruktur zu treffen:

  • Wie bin ich positioniert?
    Was habe ich erwartet und welche Konsequenzen hat das neue Marktumfeld auf meine Positionierung?
    Welche Änderungen sind gegebenenfalls notwendig?
  • Bei allen Überlegungen darf der Fokus auf die gesetzten Anlageziele nicht aus den Augen geraten,
    Stichwort: Anlagestrategie geht vor Taktik.

Wer nicht streut, kann ausrutschen … ?

Die letzten Tage konnten auch als eine Art „Belastungstest“ für verschiedene Anlagestrategien einen Aufschluss darüber geben, wie sich die Streuung der Anlageportfolios in besonderen Marktsituationen auswirkt.
Mit Blick auf unsere Kundenportfolios lässt sich sagen, dass die Portfolios durch ihre breite und gezielte Streuung, eine hohe Stabilität behalten konnten. Bereits wenige Tage nach dem Brexit- Ereignis sind die vorherigen Stände wieder erreicht.

Ein Blick voraus

Die nächsten Wochen werden sicherlich noch die ein oder andere Überraschung bereithalten, politisch und wirtschaftlich. Großbritannien muss sich neu finden, Europa ist in Bewegung, die globalen Auswirkungen werden sich in Grenzen halten. Zudem haben sich die Notenbanken bisher noch zurückgehalten und werden sicherlich Position beziehen. Vieles spricht nun dafür, dass eine weitere Zinserhöhung in den USA ausbleiben wird, dies sollte für weitere Marktberuhigung sorgen.

Die Aktienmärkte suchen nach einem neuen Trend. In Richtung Jahresende blicken wir aus heutiger Sicht recht optimistisch, denn derzeit sind besonders hohe Barbestände bei vielen Vermögensverwaltern und Fondsgesellschaften zu beobachten, die früher oder später in den Markt zurückkehren dürften. Das Zinsumfeld bietet jedenfalls kaum Alternativen.
Vielleicht stellen die aktuellen Kursschwankungen eine gute Gelegenheit dar, um auf günstigem Niveau, schrittweise seine Investitionen in Produktivkapital etwas zu erhöhen?

  • Schließen möchten wir unsere Überlegungen mit einem Zitat, welches der Börsenkenner André Kostolany im Jahre 1998 formulierte (in einem Werbespot, allerdings nahm er damals Bezug auf Aluminium):
    „Denken Sie doch einmal über Gold nach.“

Die Notenbanken bestimmen das Geschehen an den Kapitalmärkten seit jeher mit. Die geldpolitische Steuerung erfolgte lange Zeit eher indirekt durch die Anwendung verschiedener Maßnahmen, in erster Linie durch die Festlegung des Leitzinses. Seit einigen Jahren nehmen die Notenbanken nun wesentlich größeren Einfluss auf die Finanzmärkte. Durch die Einführung von Kaufprogrammen für Kapitalmarktprodukte, wie beispielsweise Staatsanleihen, verzerren Sie die ursprüngliche Funktionsweise von Angebot und Nachfrage, mit weitreichenden Konsequenzen für die gesamte Anlagewelt.

Seit März 2015 kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen der europäischen Mitgliedsstaaten. Festgelegt wurde damals ein monatlicher Umfang von 60 Milliarden Euro. Diese Maßnahme wird als Quantitative Easing (QE-Programm) bezeichnet, was letztlich eine gezielte Geldmengenausweitung beabsichtigt. Es wird mehr Geld geschaffen, mit diesem werden verzinsliche Wertpapiere der Mitgliedsstaaten aufgekauft, um dadurch geldpolitische Ziele durchzusetzen. Diese Maßnahmen helfen zunächst südeuropäischen Staaten in der Stabilisierung ihrer Geldpolitik. Mittelfristig beabsichtigt die Notenbank, dass die Inflation in der Eurozone auf ein Mindestziel von 2% angekurbelt werden soll.

Die jüngsten Beschlüsse der EZB

Am 10.03.2016 wurde eine deutliche Erweiterung der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen in Europa beschlossen. Mario Draghi, Chef der EZB, veröffentlichte unter anderem folgende Neuerungen:

  • Der Leitzins der Eurozone wird von 0,05% auf 0,0% gesenkt
  • Banken die ihr Eigenkapital bei der EZB hinterlegen, müssen auf diese Einlagen nun -0,4% p.a. Strafzins bezahlen. (bisher -0,3%)
  • Ab April 2016 soll das Anleihe – Kaufprogramm von 60 Mrd. Euro auf 80 Mrd. Euro ausgeweitet werden. Neben Staatsanleihen sollen dann auch Anleihen von Unternehmen (von Banken und Nichtbanken) gekauft werden.


Quelle: www.leitzinsen.info

.

Welche Konsequenzen ergeben sich für Anleger?

  1. Anlageprodukte auf Zinsbasis sind unrentabel. Die meisten der bisher „sicheren Anlagen“ bieten nunmehr keine Lösung für den Wunsch von Kapitalzuwachs. Selbst der Kapitalerhalt ist in Gefahr, „Sicherheit“ ist relativ. Denn: Sobald die Inflationsrate steigt, unterliegen Geldwerte einem Kaufkraftverlust in entsprechender Höhe. Wenn der Guthabenzins fehlt, findet eine unsichtbare Geldentwertung statt.
  2. Dies betrifft unmittelbar Bargeld, Bankanlagen wie Sparbücher und Tagesgeldkonten, aber auch Geldmarktfonds, Bausparverträge, sowie in zunehmendem Maße Lebensversicherungen mit verzinslicher Anlage.
  3. Verzinsliche Wertpapiere werden unattraktiver. Die Anleihekäufe der EZB führen dazu, dass die betroffenen Anleihen zunehmend als risikolos betrachtet werden. Zins ist immer auch eine Vergütung von Risiko. Verringert sich das Risiko, nähert sich auch der Ertrag mit derartigen Wertpapieren dem Leitzins an, aktuell also der Nulllinie.
    In der Folge haben viele defensive Fonds, wie auch Rentenfonds, kaum noch Chancen auf Wertsteigerung, weil die risikoarme Anlagewelt abgegrast ist. Vergangenheitsergebnisse sind kein Maßstab für zukünftige Betrachtungen.
  4. Durch den Strafzins den Banken bezahlen müssen, wird es zunehmend wahrscheinlicher, dass der Negativzins an den Verbraucher durchgereicht wird. Dann müssten Sie Zinsen auf Kontoguthaben bezahlen. Wie sich dies in der Praxis ausgestaltet muss man abwarten, d.h.: bleiben Sie aufmerksam!
.


Die Zins-Sackgasse

.

Fazit

Der Zins ist abhanden gekommen. Die jüngste Entscheidung der EZB hat insgesamt weitreichende Folgen für jeden, der Geld spart und anlegt. Bisher haben Notenbanken überwiegend durch den Leitzins die Märkte beeinflusst, nun werden Sie direkt zum Konkurrenten für Anleger. Denn, was die Notenbank kauft, kann dem Anleger keine Zinsen mehr einbringen.

Erschwerend kommt hinzu, dass wohl eine längere Phase der niedrigen Zinsen vor uns liegt, wie Mario Draghi in der EZB-Pressekonferenz in Aussicht stellte.

Kurzfristig gibt es keine Zinsen mehr,
mittelfristig scheint ein Strafabgabe auf Kontoguthaben wahrscheinlich
und langfristig droht eine Geldentwertung durch Inflation.

Unter den neuen Rahmenbedingungen besteht für jegliche Spar- und Anlageprodukte, besonders für die Ruhestandsvorsorge, die Notwendigkeit einer Tiefenprüfung auf realistische Leistungsfähigkeit und Erfüllbarkeit für die beabsichtigten Sparziele. Für Zinsorientierte Anlagen droht eine Zins-Sackgasse!

Eine nützliche Herangehensweise zur Lösungsfindung, ist die Festlegung bestimmter Anlagezeiträume und Risikotoleranzen, in Abstimmung mit den persönlichen Zielen, also eine saubere Finanzplanung.
Darauf aufbauend können passende Anlagekonzepte ausgewählt werden.

Hierbei hat jeder Anleger auch die Wahl, ob er sich mit einzelnen Produktanbietern zufrieden gibt, oder ob er sich Berater sucht, die eine Qualitätsauswahl zu seinen Gunsten in den Vordergrund stellen.

… holprig, turbulent, nervös lauten die Beschreibungen in den meisten Marktberichten zum aktuellen Börsengeschehen, neue Gründe findet man eher nicht. So zeigt sich nach wenigen Handelstagen im Neuen Jahr, dass sich die fundamentalen Daten gegenüber 2015 kaum geändert haben.

Die alten Themen, wie die Börsenturbulenzen in China und die US-Zinsentscheidung im Dezember, sind für die neuen Entwicklungen nur begrenzt heranziehbar. Allerdings steigt die Besorgnis über weiter fallende Rohstoff-preise, besonders beim Öl, da einige Produzenten in Schieflage geraten könnten. Auch die zunehmenden Schlagzeilen von IS-Terroranschlägen, sowie die neuen Spannungen im Mittleren Osten sorgen für Unsicherheit.

Die Börse schaut nach vorne, versucht jede aktuelle Nachricht zu interpretieren und die künftige Entwicklung vorweg zu nehmen.

Allerdings gibt es immer Marktphasen, in denen es schlichtweg nicht möglich ist die Geschehnisse an bestimmten punktuellen Ursachen fest zu machen. Tatsache ist, die Verkäuferseite dominiert, es wird Kapital abgezogen, die Käuferseite wartet ab und so fallen die Kurse erst einmal.

Zu viel Optimismus im Aktienmarkt?

  • Seit rund 7 Jahren steigen die Aktienkurse in den USA und in Europa, mit nur kleineren Unterbrechungen. Viele Spekulanten haben sich wiedereinmal an steigende Kurse gewöhnt. In manchen Social Media Plattformen wird wie selbstverständlich darüber diskutiert wieviel Rendite pro Monat „drin ist“.
  • Wie jedes Jahr haben die deutschen Banken ihre Prognosen für den DAX Ende 2016 abgegeben.
    Im Durchschnitt wird ein DAX-Stand von 11.859 Punkten erwartet. Fallende Kurse hat keiner auf dem Kurszettel.

Ein solcher Optimismus reicht manchmal als Grund, um eine Korrektur auszulösen. Denn, wer optimistisch ist,
ist bereits investiert. Der Moment in dem der Respekt vor dem Markt weicht, wenn die Gier bei Anlage-entscheidungen die Oberhand gewinnt, ist nicht selten ein Punkt, an dem erst einmal genau das Gegenteil von dem geschieht was allgemein erwartet wird. Dies kann in kurzen Marktbereinigungen stattfinden, wie im August/September vergangenen Jahres, oder einige Monate andauern.

Passive Anlageprodukte verstärken Marktschwankungen, durch Herdentrieb

Einen solchen Aspekt des „blinden Marktvertrauens“ sehen wir in der steigenden Akzeptanz von ETF-Produkten. ETF sind passive Anlagevehikel (ETF = Exchange Traded Fund = börsengehandelter Fonds), die einen bestimmten Marktindex nachbilden. In den letzten Jahren steigt das Anlagevolumen von ETF`s stark. Daran lässt sich ablesen, dass eine immer breitere Anlegerschaar auf diese Weise investiert.

Warum? Weil dann, wenn der Markt sowieso steigt, gern die kostengünstigste Variante gesucht wird, um daran zu partizipieren. Steigt der Markt, profitiert der ETF im Gleichschritt, allerdings trifft dies umgekehrt ebenso 1:1 zu. Fällt der Markt, fällt auch der ETF im gleichen Maße mit, es gibt keine Chance auf Mehrwerte.

Will sich der Anleger oder die gewählte Anlagestrategie über die er investiert ist, nun aus dem Markt zurückziehen, bleibt nichts anderes als der Verkauf des ETF-Produktes übrig. Dieser Ausstieg wird jedoch immer häufiger durch computergesteuerte Handelssysteme umgesetzt, die an bestimmten Index-Kursmarken auf „Verkaufen“ programmiert sind. Hierbei werden mittlerweile große Volumen bewegt, die letztlich auf ähnliche Weise gesteuert werden. Verkäufe lösen in der Folge weitere Verkaufsaufträge aus, der Markt fällt. Und die Kurse fallen erst einmal nur, weil die Kurse fallen. Dies gilt umgekehrt auch für steigende Kurse.

Zusammenfassend: Computeralgorithmen lösen einen künstlichen Herdentrieb aus, die Marktvolatilität wird verstärkt. Für die Schwankungen der Aktienmärkte werden demnach nicht unbedingt neue Nachrichten oder fundamentale Veränderungen benötigt.

Schwankungen als Chancen verstehen, der Weg des aktiven Managements

Wir verfolgen im Umgang mit Investmentfonds jedoch einen anderen Ansatz. Wir setzen auf aktive Fondsmanager. Was heißt das? Wir suchen nach schlauen Köpfen die mit Ihren Anlageentscheidungen nicht passiv den Schwankungen des Gesamtmarktes ausgeliefert sind.

Dafür gibt es eine ganze Reihe verschiedener aktiver Herangehensweisen. Fast immer wird dabei von der Zusammensetzung der Indizes abgewichen, z.B. indem in bestimmte Branchen oder Unternehmen nicht investiert wird. Der Fonds selektiert Unternehmen nach deren Wettbewerbsvorteil, nach Wachstumskriterien (Growth) oder deren Werthaltigkeit (Value). Fallen nun die Kurse, ergibt sich für den Fondsmanager die Gelegenheit das werthaltige Unternehmen zu einem günstigeren Preis zu erwerben.

Aktives Management vs. Index-Investment

Ein Beispiel: Der EuroStoxx50 ist der führende Aktienindex Europas und setzt sich aus den größten Unternehmen der Euroländer zusammen. Entscheidend für die Zusammensetzung ist die Größe der Unternehmen nach Marktkapitalisierung (= Börsenwert).

Während ein ETF nun beispielsweise den EuroStoxx50 nachbildet, wählt der aktive Fondsmanager nur die aussichtsreichsten und ertragsstärksten Unternehmen aus. Die aus seiner Sicht unattraktiven Unternehmen werden nicht investiert. In der Folge ist ein aktiv gemanagter europäischer Aktienfonds völlig anders aufgestellt als der Index.

So haben einige aktive Fondsmanager in den letzten Jahren auf die Investition in bestimmten Branchen verzichtet (z.B. Bankaktien, Versorger = unterdurchschnittliche Entwicklung) und andere Branchen höher gewichtet (z.B. Nahrungsmittel, Gesundheit, Technologie = überdurchschnittliche Entwicklung).
Der Fondsmanager übernimmt also eine gezielte Auswahl der Wertpapiere. Daraus ergibt sich im Zeitverlauf auch ein deutlicher Unterschied in der Wertentwicklung, günstigenfalls zum Vorteil des aktiven Fonds.

Im nachfolgenden Beispielchart sehen Sie den Verlauf des europäischen Aktienindex EuroStoxx50 (blau),
im Vergleich mit einem aktiv gemanagten europäischen Aktienfonds (schwarz):

.

EuroStoxx50 vs aktiver Aktienfonds Europa 5J 01.2011-01.2016

Verlgleichszeitraum 5 Jahre, 01.01.2011-13.01.2016: EuroStoxx50 +8%, Aktienfonds Europa +75%

.

Ein weiterer Unterschied im aktiven Fondsmanagement besteht darin, dass einige aktive Manager mit einen Cashanteil im Fonds arbeiten:

  • Einerseits werden gut gelaufene Aktien nach Erreichen bestimmter Kursziele veräußert, erzielte Gewinne werden realisiert, der Verkaufserlös liegt für neue Investitionen bereit.
  • Andererseits entsteht bei schwankenden Märkten die Opportunität günstiger Einstiegskurse, wodurch ebenfalls Mehrwerte erzielbar sind, im günstigen Einkauf liegt der zusätzliche Gewinn.

Das aktiv angelegte Geld wird also „mit Köpfchen“ in den Wertpapiermärkten navigiert. Im Gegensatz zum ETF, der in der Regel seiner Indexnachbildung verpflichtet ist.

Fondsresearch bedeutet Fondsmanagerselektion

Im Ergebnis gilt es für uns, die Fähigkeiten der Fondsmanager im Blick zu haben. Diese wiederum übernehmen die Steuerung des Fondskapitals nach bestimmten Regeln. Auf diese Weise muss der Anleger seine Fondsanlage nicht wegen Marktschwankungen verlassen. Er kann davon ausgehen, dass Schwankungen einen Teil der Anlagestrategie darstellen.

Fazit

Preisschwankungen liegen in der Natur des Marktprinzipes von Angebot und Nachfrage. Nicht immer gibt es dafür Erklärungen. Derzeit befinden sich die Märkte in einer Phase der Konsolidierung, d.h. der Anstieg der letzten Jahre wird erst einmal „verdaut“.

Man muss davon ausgehen, dass computergesteuerte Handelssysteme Marktbewegungen verstärken, in beide Richtungen. Schwankungen sind jedoch nicht mit Risiko gleichzusetzen und eröffnen,  im Rahmen einer Anlagestrategie, zusätzliche Chancen für den langfristigen Anlageerfolg.