Über die Sommermonate hinweg verliefen die Börsen in einem Seitwärtstrend. Im September begannen die europäischen Märkte die Ergebnisse der deutschen Bundestagswahl zu antizipieren. Es zeichnete sich ab, dass ein zunächst befürchteter Rechtsruck nicht zu Stande kommen und keine Auswirkungen auf die europäische Gemeinschaft haben würde. Dies führte zu einer Beruhigung der Kapitalmärkte und die weltweit hohe Liquidität spülte frisches Kapital in europäische Aktien.
Die Börsen zeigten sich damit robust, auch in den üblicherweise schwankungsanfälligen Herbstmonaten. Besonders die US-Aktienmärkte ließen und lassen kaum Anzeichen von Schwäche erkennen, trotz der mittlerweile hohen Bewertung von Technologieaktien (Apple, Amazon, Netflix & Co).

Die Technologie-Blase im Jahr 2000

Wer schon lange an der Börse aktiv ist, wird sich hinsichtlich der Stimmungslage bei Technologieaktien an die Jahre 1999 und 2000 zurückerinnern. Damals befand sich der tatsächliche technologische Fortschritt noch in den Kinderschuhen. Amazon und Ebay hatten ihre Plattformen frisch neu eröffnet, jedoch war das Onlinegeschäft insgesamt eher eine Randerscheinung. Der Erfolg für so genannte Internetunternehmen wurde danach „kalkuliert“, wieviele Besucher deren Webseite anklickten. Webseiten schossen aus dem Boden wie Pilze im Herbst, das konkrete Geschäftsmodell war dabei eigentlich egal. Folglich waren die Kurse von Technologieaktien eher Phantasie-Konstrukte, die in einer Spekulationsblase aufgingen und schließlich wieder verpufften.

Heutzutage stellt sich die Situation völlig anders dar. Als Apple im Jahre 2007 den Masseneinstieg in eine multimediale mobile Welt eröffnete (Markteinführung des I-phone), begannen sich viele theoretische, technische Möglichkeiten in greifbare und nutzbare Anwendungen zu transformieren.

  • Wer hätte im Jahre 1999 gedacht, dass jedermann Bild-Telefonate auf der ganzen Welt führen könnte?
  • Wer hätte damals vermutet, dass auf mobilen Endgeräten Hollywood-Blockbuster angesehen werden?
  • Wer sollte ahnen, dass Youtube – Stars großen Einfluss auf die Erziehung von Teenagern übernehmen?

Die Technologie-Welt von heute

Es gibt zahllose Gründe dafür, dass ein großer Unterschied zwischen der Technologie-Bubble im Jahre 2000 und der Betrachtung von Technologieunternehmen im Jahre 2017 besteht. Apple, Google & Co besitzen grundlegende Marktdurchdringungen in einer florierenden Onlinewelt, die enorme Kapitalströme nach sich ziehen, die Unternehmen schwimmen regelrecht im Geld. Apple besitzt einen Cashbestand von ca. 75 Milliarden US-Dollar, Google von ca. 100 Milliarden Dollar. Damit haben die Konzerne alle Möglichkeiten weitere verlockende technische Offenbarungen über die Welt zu ergießen. Und Sie nutzen ihre finanziellen Möglichkeiten, um Ideen zu kaufen (z.B. Firmenübernahmen) und damit ihren Einfluss voran zu treiben.

Der Fortschritt basiert jedoch nicht ausschließlich auf neuen Ideen. Die enorme Entwicklung von Rechenleistung, also immer schnellere Computerbausteine, versetzen überhaupt erst in die Lage Auswertungen durchzuführen, die in der Vergangenheit unmöglich waren. In einer Sekunde können ganze Bibliotheken durchsucht und Erkenntnisse daraus miteinander verknüpft werden. Insofern sind Chip-Hersteller die Lieferanten für einen unumkehrbaren Trend zur Digitalisierung.

  • Vielleicht fragen Sie sich beim Kinobesuch, zu welchem Teil ein Film am Computer entstanden ist?
    Digitale Welten verschmelzen beinahe fließend mit realen Schauspielern und zaubern uns fantastische „Zwischenwelten“ auf die Leinwand. Ideen, durch technische Möglichkeiten visualisiert.

Anwendungsbeispiel – Medizin und Biotechnologie
Durch die Nutzbarkeit von technischen Anwendungen verändern Technologien in vielen Lebensbereichen die bisherigen Betrachtungsweisen. So ergeben sich beispielsweise in der Medizin völlig neue Forschungsansätze und Therapiewege. Darin zählt die Krebsforschung zu den am schnellsten wachsenden Bereichen. Mit Software-Lösungen werden Auswertungen von komplexen Datenmengen vereinfacht und neue Untersuchungsperspektiven führen zu neuen Erkenntnissen, diese wiederum zu neuen Medikamenten mit besserer Wirkung. In den nächsten fünf Jahren wird eine Verdopplung des Medikamentenabsatzes für Krebserkrankungen erwartet.

Auf dem Gebiet der Neurologie werden immer neue Mittel gegen Schmerzen, Alzheimer und Epilepsie erforscht und entwickelt. Laut versierten Marktbeobachtern befinden sich in den Bereichen der Neurologie und der Krebstherapie über 1000 neue Substanzen in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen.

  • Diese Intensivierung der Forschung darf als eine unmittelbare Folge der neuen technologischen Möglichkeiten betrachtet werden.

Die Biotechnologie dringt auf dem Gebiet der Genforschung immer tiefer in die menschliche Funktionsweise ein. Der Trend der Forschungen geht dahin, immer früher in abnorme, krankheitsverursachende Proteinsynthese einzugreifen. Mit Gen-Therapien sollen Ursachen für Krankheiten möglichst früh entdeckt und durch eingreifen in die DNA „korregiert“ werden können. In den USA sind solche Verfahren bereits für vermögende Kunden verfügbar.

  • Auch wenn bei diesem Thema ethische Grenzen mit technischen Möglichkeiten kollidieren,
    zeigt sich darin der (Wett-) Lauf der Welt, hinein ins Technologie-Zeitalter.

Technologien stellen eine Quelle der Wertschöpfung bereit. Anwendungsbereiche sind grenzenlos.

Fazit:

Es darf natürlich bezweifelt werden, dass einzelne Bäume, also einzelne Technologieunternehmen, in den Himmel wachsen. Hier beweist das Beispiel des einstigen Handy-Weltmarktführers Nokia, dass die Konkurrenz jeden überholen und ruinieren kann. Es geht also nicht um ein bestimmtes Unternehmen und auch nicht um eine konkrete Branche. Vielmehr möchten wir Gedankenimpulse geben, warum Technologisierung und Automatisierung zum Oberbegriff für eine sich verändernde Welt geworden sind.

Eine Schwierigkeit für den Anleger besteht darin, dass funktionierende technische Lösungen Geduld erfordern. Unternehmen brauchen Zeit um zu wachsen, weit über tägliche Kursveränderungen hinaus. Soll heißen, Aktienkurse eilen der Realität immer voraus, sind mal zu optimistisch und mal zu pessimistisch. Gier und Angst, Bulle und Bär, bestimmen das Börsengeschehen seit jeher. Nach einer Phase der Euphorie, benötigt es eine Phase der Besinnung. Aktuell sind die Erwartungen an IT-Unternehmen relativ hoch und den Kapitalmärkten würde eine Abkühlung gut tun.

Die Börse funktioniert nach dem Motto: Zwei Schritt vor, einen Schritt zurück. Eine Bestimmung darüber, in welcher Phase man sich genau befindet, lässt sich zumeist erst im Nachhinein vornehmen.

  • Entscheidend für Anleger ist vielmehr die Erkenntnis, dass das Prinzip des Investierens seit Jahrhunderten funktioniert. Neue Technologien waren dabei stets ein gesellschaftlicher Wachstumsmotor.
    Ob die Erfindung der Eisenbahn im 19. Jhd, die des Autos zu Beginn des 20. Jhd. oder eben der Computer, in unserer Zeit.

Auge_fonds

  • Grundsätzlich darf nicht vernachlässigt werden: Hinter jedem technologischen Fortschritt verbergen sich Unternehmen, die Ideen in Kapital verwandeln können. Für den Anleger der sich auf die Suche nach Renditemöglichkeiten begibt und etwas Zeit einräumt, ist die Beobachtung technologischer Fortschritte
    eine höchst praktische Angelegenheit.

Kapitalanlage bedeutet schließlich, nach Möglichkeiten zu suchen, um sich an Wachstum zu beteiligen und auf diese Weise selbst Kapitalwachstum zu erzielen.

  • Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Weihnachtsgeschenke ruhig einmal bewusst darauf, wer das jeweilige Produkt herstellt, welche Unternehmen sich dahinter verbergen. Vielleicht besitzen Sie in Ihrem Fondsdepot bereits Anteile an manchen dieser Firmen?
    Und während Sie mit dem Kauf der Geschenke zum Unternehmenserfolg beitragen, sind Sie womöglich als Anleger am Unternehmenserfolg beteiligt?

Wir wünschen eine stimmungsvolle Adventszeit und angenehme Feiertage

Das Investmentsteuerreformgesetz (InvStG-E) sieht ab 2018 einen steuerlichen Neuanfang für alle Fonds vor. Es ist für alle Fondsanleger ratsam, sich mit den steuerlichen Änderungen vertraut zu machen. Wir geben einen kurzen Überblick zu den neuen Regeln.

Zunächst gilt es zu erwähnen, dass die Abgeltungssteuer bestehen bleibt. Neu geregelt werden die grundlegenden Voraussetzungen, bevor die Abgeltungssteuer zum tragen kommt. Ziel der neuen Gesetzgebung war es, die steuerlichen Regelungen zu vereinheitlichen (Anpassung an EU-Recht) und zu vereinfachen. In der Folge ergibt sich eine steuerliche Gleichbehandlung von inländischen und ausländischen Fonds, die so bisher nicht gegeben war.

Beschlossen wurde ein zweistufiges Regelwerk, welches einerseits eine Besteuerung auf der Fondsebene neu einführt. Zum Anderen wird die steuerliche Behandlung für Anleger reformiert.

1. Besteuerung auf Fondsebene

Aktuell leiten Fonds die Steuerdaten in der Regel an ihre Anteilsinhaber weiter und unterliegen keiner direkten Besteuerung. Neu ist die Einführung einer 15%-igen Körperschaftssteuer auf bestimmte Erträge, das sind hauptsächlich Fondserträge aus deutschen Dividenden und inländischen Immobilien. Der Steueranteil ist künftig direkt vom Fonds abzuführen.
Investmentfonds die ausländische Aktien und Wertpapiere halten, oder andere Erträge erzielen, sind mit Einnahmen daraus nicht pauschal von der direkten Steuerabführung betroffen.

2. Besteuerung auf Anlegerebene

Bisher waren Ausschüttungen und Gewinne bei Zufluss zu versteuern. Das heißt konkret: Wurden von einem Fonds Erträge ausgeschüttet, fand zum jeweiligen Zeitpunkt eine steuerliche Abrechnung statt. Bei thesaurierenden Fonds fiel zunächst keine laufende Besteuerung an und Kursgewinne wurden erst beim Fondsverkauf, also bei der Realisierung, besteuert.

Mit dem neuen Gesetz ändert sich das Besteuerungssystem. Ab 01.01.2018 wird eine so genannte Vorabpauschale eingeführt. Bei thesaurierenden Fonds findet keine Ausschüttung statt, hier greift die künftige Vorabbesteuerung. Laufende Ausschüttungen von Fonds werden auf die Vorabbesteuerung angerechnet und vermindern die Vorabpauschale. Sofern beim Anleger im jeweils vorangegangenen Kalenderjahr insgesamt Ausschüttungen oberhalb der Vorabpauschale stattfanden, wird diese nicht mehr fällig. Ansonsten unterliegt der Differenzbetrag zwischen Ausschüttungen und Gewinnen, der pauschalen Vorabbesteuerung. Fallen Verluste in der Wertentwicklung an, wird keine Vorabpauschale fällig.

  • Fazit: Bei der Vorabpauschale handelt es sich um eine vorgezogene, laufende Besteuerung von Fondserträgen und Gewinnen. Allerdings wird beim späteren Verkauf von Fondsanteilen die bereits gezahlte Vorabpauschale mit angerechnet, sodass sich aus dem neuen Prinzip keine automatische Steuererhöhung ergibt.
  • Eine Unannehmlichkeit für Anleger ist potentiell gegeben: Die Vorabpauschale wird nicht vom Fondsvermögen abgezogen. Dies hat zur Folge, dass der fällige Steuerbetrag durch die Depotbank erhoben und separat vom Depotgegenkonto eingezogen wird. Dem Anleger wird die Sorgfalt zur Selbstüberprüfung überlassen, für Steuerbelastungen eine ausreichende Kontendeckung bereit zu halten.

Worauf basiert die Höhe der Vorabpauschale?
Für den Anleger gestaltet sich die neue steuerliche Transparenz jedoch nicht ganz so einfach. Als Berechnungsgrundlage für die Vorabpauschale wird ein so genannter Basiszinssatz herangezogen, welcher sich nach dem durchschnittlichen Zinssatz langlaufender Bundesanleihen richtet. Hierbei ist zu beachten, dass sich der Basiszinssatz zukünftig jährlich ändern wird, es gilt eine Stichtagsregelung. Die Vorabpauschale wird stets zum 01.01. eines Jahres, für das vorangegangene Kalenderjahr berechnet, erstmals zum 01.01.2019.

Steuerliche Teilfreistellungen – Vergünstigungen für Anleger
Die Vorabpauschale stellt eine steuerliche Vorabbelastung dar, im Gegenzug werden dem Anleger nun pauschale Teilfreistellungen eingeräumt. Die Teilfreistellungen sollen auf Anlegerebene einen Ausgleich für die neu eingeführte Besteuerung auf der Fondsebene bieten. Eine nicht zu unterschätzende Komponente, denn dadurch werden künftig Teile der Fondserträge von der Steuer freigestellt.

Fonds können sich den folgenden Kategorien zuordnen, für den Anleger gelten entsprechend steuerliche Teilfreistellungen:

Teilfreistellung FondsKategorien

Beispiel Teilfreistellung: Für einen Aktienfonds, (= ein Fonds der lt. Verkausprospekt zu mindestens 51% in Aktien investiert) werden pauschal 30% der Gewinne von der Besteuerung freigestellt. Dies kann für den jeweiligen Anleger durchaus eine steuerliche Besserstellung gegenüber der bisherigen Regelung darstellen.
Wichtig: Die Teilfreistellungen beziehen sich sowohl auf die Vorabpauschale, als auch auf Veräußerungsgewinne.

Bestandsschutz für Fonds-Altbestände wird aufgeweicht
Der bislang geltende Bestandsschutz, für Fondsanteile die vor 2009 gekauft wurden, wird aufgehoben. Fondsanteile, die von Privatanlegern vor Einführung der Abgeltungssteuer erworben wurden, gelten zum 31. Dezember 2017, hinsichtlich der steuerlichen Betrachtung, als verkauft und zum 01.01.2018 neu angeschafft. Somit werden auch die Wertsteigerungen der vor 2009 gekauften Anteile ab 2018 steuerpflichtig.
Dies ist ein Einschnitt in das einst gegebene Versprechen der künftigen Steuerfreiheit. Doch kommt der Staat den Anlegern hier entgegen. Für diese Fonds-Altbestände wird ein Steuerfreibetrag in Höhe von 100.000 € gewährt. Der Anleger kann diesen Freibetrag künftig über sein Finanzamt geltend machen. Dadurch sind praktisch künftige Erträge der Altfonds bis zu diesem Betrag weiterhin steuerfrei.

Letztlich kommt es zu einer Vereinfachung
Für Anleger ist die neue Besteuerung mit weniger Aufwand verbunden und letztlich einfacher.

Der BVI (Deutscher Fondsverband) formuliert folgendes Fazit: Die gute Nachricht ist, die meisten Privatanleger werden durch die Reform unter dem Strich nicht mehr Steuern zahlen als bisher.
Allerdings gibt es zahlreiche Detailfragen zu Bestandsschutz, Freibeträgen & Co.. Weiterführende Erläuterungen zur Investmentsteuerreform, stellt der BVI in einer Broschüre als Download zur Verfügung.
https://www.bvi.de/regulierung/investmentsteuern/investmentsteuerreform/

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Wichtiger rechtlicher Hinweis:
Die vorangehenden Informationen dienen lediglich einer allgemeinen groben Orientierung und stellen keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und keinen Ersatz für eine steuerliche Beratung dar. Es ist daher möglich, dass nicht alle Anforderungen an redliche, eindeutige und nicht irreführende Informationen und Werbung im Sinne des § 4 WpDVerOV bzw. § 14 FinVermV, erfüllt sind.
Diese Publikation dient lediglich allgemeinen Informationszwecken, stellt keine Anlageberatung zu Finanzinstrumenten oder Wertpapieren dar, stellt kein Angebot zum Verkauf und keine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots für den Kauf von Kapitalanlagen dar, stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar und ist nicht als Empfehlung zum Kauf von Kapitalanlagen zu verstehen.

Die Sterne scheinen günstig für Europas Kapitalmärkte zu stehen. Im März zeigte der Wahlausgang in den Niederlanden, dass keine anti-europäische Mehrheit zu Stande kam. Im Juni brachte der Wahlausgang in Frankreich den Sieg für Macron und ebnete damit den Weg zur Fortführung der europäischen Gemeinschaft, entgegen vieler Befürchtungen.

An den Börsen führte dies zu Erleichterung. Im Vorfeld der Entscheidungen wurden die europäischen Märkte eher gemieden, nach den Entscheidungen stieg schließlich die Investitionsbereitschaft und frisches Kapital strömt nach Europa, in DAX, EuroStoxx & Co.

Auf längere Sicht befinden sich die europäischen Börsen in einem positiven Trend, der weiterhin intakt ist.
Grafik: Zeitraum 5 Jahre, 01.07.2012 – 01.07.2017: DAX (grau) vs. EuroStoxx50 (blau)

DAX_EuroStoxx50_5J_01072012-01072017
Anmerkung: Gerade in den Sommermonaten fällt das Handelsvolumen an den Börsen (urlaubsbedingt)
und Kursrückgänge sind möglich, ja im saisonalen Zyklus sogar wahrscheinlich.
Allerdings würde dies für die mittel-langfristigen Aussichten nicht gleich eine
Trendwende bedeuten.

Sind Aktien günstig oder teuer?

Diese Frage stellt sich an den Börsen zu jeder Zeit. Wir möchten die Betrachtung weniger auf eine detaillierte analytische Beantwortung führen, sondern vielmehr auf den übergeordneten Trend.
Die beiden wichtigen Fragen sind also:

a) In welchem Zustand befindet sich die Mehrzahl der Unternehmen?

Ganz allgemein befinden sich bei der Mehrzahl der Unternehmen die Fremdkapitalkosten auf historisch niedrigem Niveau und das Eigenkapital auf historisch hohem Niveau. Das bedeutet weniger Schulden (auch dank niedrigerer Zinsen) und gute Kapitalausstattung. Darüber hinaus herrscht ein günstiges Investitionsumfeld und, dank positiver Konjunktur, steigen die Gewinne. Ablesbar ist die solide Kapitalausstattung von Unternehmen besonders an zwei Punkten:

  • Die Dividendenzahlungen an Aktionäre befinden sich auf historisch hohem Niveau
    (und deutlich oberhalb von Zinsen).
  • Viele Unternehmen benutzen ihr Kapital um eigene Aktien zurück zu kaufen
    oder um Konkurrenten zu übernehmen.

b) Wie steht es gegenwärtig mit dem wirtschaftlichen Umfeld und den Wachstumschancen?

Laut aktuellen Marktdaten und Marktindikatoren trägt der derzeitige Konjunkturaufschwung auf globaler Ebene, erstmals seit 2011. Der IWF erwartet für 2017 ein globales Wachstum von ca. 3%. Die Wirtschaftsaktivitäten verbessern sich in Europa, USA, Japan und in den Schwellenländern. China und Indien wachsen besonders stark. Daraus ergibt sich weltweit die Erwartung von weiter steigenden Unternehmensgewinnen, wobei einige Branchen schneller (Technologie, Umweltthemen, Megatrends) und andere Branchen (Banken, Automobile, Einzelhandel, Versorger) weniger wachsen. Bei steigenden Unternehmensgewinnen sind steigende Aktienkurse eine folgerichtige Konsequenz:

  • Beispiel: Wenn ein Unternehmen seinen Umsatz und seinen Gewinn um 10% pro Jahr steigert, darf auch der Aktienkurs des Unternehmens um 10% steigen. Die Bewertung wird dadurch nicht teurer, da Preis und Wert gleichzeitig zulegen.

Die wirtschaftliche Lage ist gut, die Bewertungen der meisten Aktien sind nicht zu hoch (besonders unter Berücksichtigung der tiefen Zinsen und der hohen Liquidität) und die Konjunkturprognosen liefern Argumente für weiteres Wachstum. Soweit das aktuelle Umfeld, in aller Kürze umrissen.

Trotzdem ist die Investitionsquote der Anleger in Unternehmensbeteiligungen (speziell der Deutschen) in den letzten Jahren kaum gestiegen.
Gibt es keine guten Gründe, die für Beteiligungen an Unternehmen (s-erfolgen) sprechen?

Alles was zählt – der Blick nach vorn

Wir möchten beispielhaft für die Entstehung neuer Trends und die damit einhergehenden Chancen, aus dem Monatsbericht eines globalen Aktienfondsmanagers zitieren, der über die Entwicklungen in der Automobilbranche folgendes denkt:


  •  „Wir hatten … über unausweichliche Trends gesprochen, z.B. in der Biotechnologie, über das elektrische Auto, das selbstfahrende Auto und schon während wir darüber schreiben, beschleunigt sich dieser Trend.
  • China plant bis 2020 361 Mrd. USD an Investitionen in erneuerbare Energien, nicht zuletzt, um die verschmutzte Luft wieder sauber zu bekommen. Gleichzeitig wird der zögerliche Westen wie schon bei den Solarzellen links überholt. China plant für 2018 eine Elektrofahrzeugquote von 8% bei den Auto-Neuzulassungen. Die Quote steigt in den Folgejahren an. Das entspricht bei einer Gesamtmarktgröße von 25 Mio. Fahrzeugen ca. 2 Millionen PKW. 2016 waren es etwa 500.000 elektrische Fahrzeuge. Zwischen 2016 und 2018 haben wir also zwei Verdoppelungsschritte. Wer liefert diese Autos?
  • In China ist Volkswagen mit 4 Mio. verkauften Autos Marktführer. Weniger als 0,1 Promille davon sind elektrisch. Erst für 2020 plant Volkswagen in China 400.000 elektrische Autos – viel zu spät, um die 2018er Nachfrage zu befriedigen. Hingegen verkauft eine chinesische Firma knapp 100.000 elektrische Autos in China und hat damit etwa 20% Anteil am Markt der Elektroautos (der etwa 500.000 Autos groß ist). Das Volumen zu verdoppeln, dürfte der Firma nicht schwer fallen.
  • Heute sind Elektroautos, trotz drastisch geringerer Komplexität, noch teurer als Autos mit Verbrennungsmotor. Das liegt an den Batteriekosten. Die Kosten für Batterien fallen pro Jahr etwa um 20%. Batterien sind die teuerste Komponente eines Elektroautos. Sollte das Batteriekostenziel von 100 USD pro kWh bis 2020 erreicht werden (im Jahr 2008 lag sie bei 1000 USD), so kostet die Autobatterie eines bekannten US-Elektroautobauers etwa 10.000 USD. Die Produktionskosten eines PKW, die heute bei etwa 50.000 USD liegen, werden dann auf 30.000 USD fallen. Der Hersteller plant, 2018 etwa 500.000 elektrische Fahrzeuge zu produzieren. 2016 waren es 84.000.
  • Für diesen Zweck baute er mit Panasonic eine große Batteriefabrik. Weitere, viel größere Batteriefabriken entstehen auch in China. Elektroautos werden also durch natürliche Kostendegressionen in wenigen Jahren billiger als herkömmliche Autos sein. Sie werden sich zunächst dort durchsetzen, wo die Reichweite keine große Rolle spielt, also in Innenstädten (man denke an den Elektroscooter der Deutschen Post). Mit zunehmender Reichweite kommen dann die Langstreckenfahrzeuge dazu. Wer einmal den Wechsel zum Elektroauto gemacht hat, wird nicht mehr zum Benziner zurückkehren.
  • Wer hat sich einen Röhrenfernseher gekauft, nachdem die Flachbildschirme omnipräsent wurden?
    Wer hat sich eine Kleinbildfilm-Kamera gekauft, nachdem sich die Digitalkameras durchgesetzt haben? Wer hat in den letzten Jahren noch eine Schreibmaschine gekauft, wer einen Kassettenrekorder?
    Wer hat sich zuletzt einen Autoatlas gekauft?
    Die Adoption überlegener Technologien geht zügig voran und ist eine Einbahnstraße. Vor allen Dingen geschieht sie nicht allmählich, sondern vehement.
  • Darum unsere These: Die Elektromobilität kommt gewaltig und unumkehrbar, getrieben durch die fallenden Kosten. Sie kommt aus China. Sie erfordert große Mengen an Kupfer, Kobalt, Nickel und Lithium. Es wird Rohstoff- und Halbleiterengpässe geben. Die Autos werden eine kürzere Lebensdauer haben und benötigen aktives Recycling. Jeder kann plötzlich Autos bauen, wie man am Beispiel Deutsche Post sehen kann. Deutsche Autobauer sind zu langsam, und sie verlieren ihren heutigen Nimbus… .
  • Fazit: Wir versuchen mit unserer Aktienauswahl schon heute auf neue Trends vorzubereiten. „

Quelle: Acatis Investment GmbH


Fazit

Die Welt verändert sich täglich durch Bevölkerungswachstum und knappere Ressourcen.
In besonderem Maße schreitet die Technologisierung voran und beschleunigt nicht nur die Kommunikation. Schnellere Computer ermöglichen bessere Datenauswertungen, tiefer gehende Forschungen und sprunghafte Entwicklungen auf allen Gebieten der Wissenschaft und der Gesellschaft. Selbstverständlich gibt es viele Unternehmen die von diesen Veränderungen profitieren und profitieren werden.

Sie haben es selbst in der Hand zu entscheiden ob und in welcher Form sie daran teilhaben möchten. Unsere Spezialisierung auf Investmentfonds unterstützt Sie beim Kapitalaufbau und bei der fortlaufenden Steuerung Ihrer Kapitalanlagen, ob Sie regelmäßigen Ertrag suchen oder Rendite im Vordergrund steht.
Für die passende Anlagestrategie, für eine Welt im Wandel, im Zeitalter der Technologie.

Ich wünsche gute Anlageentscheidungen
André Klatt

Kurzer Rückblick auf das Börsenjahr 2016

Manchmal braucht es nur einen Monat, damit aus einem eher zähen Börsenjahr letztlich ein gutes Anlagejahr wird. Ungefähr so verhielt es sich in 2016. Zum Jahresstart verunsicherten der tiefe Ölpreis und Sorgen um das Wachstum in China die Kapitalmärkte für gut einen Monat. Zur Jahresmitte erschreckte der BREXIT die Börsenwelt nur für wenige Tage. Zum Jahresende, nach dem überraschenden Wahlausgang in den USA, verflog die Unsicherheit bereits nach wenigen Stunden. Jedes Mal erholten sich die Kapitalmärkte recht schnell wieder. Denn: Kapitalmärkte mögen keine Unsicherheit, Märkte verarbeiten Fakten und handeln Zukunft.

Im Dezember führte der angekündigte Aktionismus des neuen US-Präsidenten Trump schließlich zu neuen Wachstumshoffnungen für die Wirtschaft und zu weltweit steigenden Aktienkursen. Zum Jahresende zeichnen sich jene Anleger als Gewinner, die in aller Ruhe in Fonds (Aktienfonds, Mischfonds) investiert geblieben sind.

Nachfolgend die Wertentwicklungen einiger Anlageklassen und Indizes 2016 (in €):

Wertentwicklungen_2016

Neben den Anlagen haben wir auch die Inflation eingetragen. Die Inflationsrate, also die Teuerungsrate eines Warenkorbes, stieg im letzten Jahr auf knapp 2%. Zieht man diese Teuerungsrate von den Anlageergebnissen ab, bleibt das tatsächliche, um den Kaufkraftverlust bereinigte Anlageergebnis übrigt. Guthaben auf Tagesgeld und Sparbuch verloren also an Kaufkraft.

Unterstellt man für die nächsten 10 Jahre eine Inflation von nur 2% p.a., verringert sich die Kaufkraft von Kontenguthaben folglich um rund 20% (bei weiterhin Null Zinsen). Ein gefährlicher, weil unsichtbarer Prozess. Der Geldwert auf dem Konto verringert sich augenscheinlich nicht, dafür jedoch die Kaufkraft des Geldes.
Es geht in der Anlageplanung also darum, dass bereits für den Werterhalt von Kapital ein höherer Zuwachs benötigt wird, als die vorherrschende Inflationsrate.
Rechnen Sie ruhig mal nach, was eine Inflation von 4% für ihr Bankguthaben bedeuten würde… .

2017 – Hoffen auf Trump

Das neue Jahr beginnt schwungvoll an den Börsen. Nahezu alle Anlageklassen konnten in den ersten Wochen zulegen, teilweise mit zweistelligen prozentualen Gewinnen. Grund dafür ist die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung, initiiert durch die Maßnahmen, die der amtierende US-Präsident verabschieden könnte. Hier ist beispielsweise die erwartete Steuerreform in den USA zu nennen. Es wird erwartet, dass eine Steuersenkung für Unternehmensgewinne von ca. 35% auf ca. 20% verabschiedet werden könnte. Dies hätte deutlich steigende Gewinne bei US-Unternehmen zur Folge. Die Kurse steigen aktuell auch in freudiger Erwartung eines solchen Effektes.

Es gibt natürlich skeptische Stimmen, die davon ausgehen, dass der tatsächliche Effekt der politischen Entscheidungen in den USA nur von kurzer Dauer sein könnte. Dies liegt an der hohen Staatsverschuldung, die es nur in begrenztem Umfang zulässt, dass der Staat auf Steuereinnahmen verzichten kann. Wenn Trump Investitionen in die Infrastruktur des Landes tätigen und Steuern senken will, geht dies zu Lasten einer höheren Staatsverschuldung. Aus diesem Grunde sind deutlich steigende Zinsen eher unwahrscheinlich, die Zinslast der USA würde sich schließlich ebenfalls erhöhen. Alles in Allem ein Umfeld mit hohen Erwartungen, vielen Fragezeichen und in guter Hoffnung auf wirtschaftliche Belebung.

DAX – Jahresziel bereits erreicht?

Der deutsche Aktienmarkt schwimmt aktuell im positiven Fahrwasser der US-Börsen gut mit. In den letzten Tagen erreichte der deutsche Leitindex bereits die Marke von 12.000 Punkten. Damit liegt das Allzeithoch aus dem April 2015 (12.380 Punkte) in Reichweite.
Werfen wir einen Blick auf die Zielmarken für den DAX, welche die Banken in ihren Prognosen für das Jahresende 2017 angenommen haben. Die durchschnittliche Erwartung der deutschen Banken, für den DAX zum 31.12.2017, liegt bei 11.630 Punkten. Dieses Niveau haben wir bereits überschritten. Und weiter?
Im Grunde spielt es keine Rolle was Marktteilnehmer erwarten. Die Trefferquote solcher Prognosen ist ohnehin so schlecht, dass sich keinerlei Orientierung daran lohnt.

Fazit:

Prognosen für das neue Jahr sind nicht leicht herzuleiten. Durchstreift man die Markterwartungen von Banken und Vermögensverwaltern, wird immer wieder auf die Unvorhersehbarkeit des neuen US-Präsidenten verwiesen. Dessen Aktionen sind maßgebend, denn die Wirtschaftsmacht Amerika gibt weiterhin die Richtung für die Welt vor.
Wie auch im letzten Jahr, muss im Jahresverlauf mit größeren Schwankungen gerechnet werden. Dies klingt zunächst oberflächlich, ist es aber nicht. Nämlich unter dem Blickpunkt, dass der Gewinn auch im günstigen Einkauf liegt und es sich kurzfristig lohnen kann auf Rücksetzer zu warten.

Insgesamt erwartet der IWF für 2017 eine Belebung der Weltwirtschaft um 3,4%, wobei die höchsten Wachstumsziele in Asien liegen. Für Europa werden nur 1,6% Wachstum angenommen. Der weitere Vollzug des BREXIT bremst dabei ebenso, wie die strukturellen Probleme in Italien und natürlich die bevorstehenden Wahlen in Frankreich, Holland und Deutschland. Diese Entscheidungen werden sicher auch Bewegungen an den Kapitalmärkten um die betreffenden Termine herum hervorrufen, bzw. zur Folge haben.

  • „Eine Aktienhausse wird in der Panik geboren, reift in der Skepsis,
    wächst im Optimismus und stirbt erst in der Euphorie.“ (Zitat, Börsenweisheit)

Von Euphorie kann derzeit am ehesten bei Immobilien die Rede sein. Die Anlageklasse Aktien verzeichnete in 2016 die größten Kapitalabflüsse seit der Finanzkrise 2008. Weltweit wurden rund 100 Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen. Von Euphorie darf aktuell eher nicht die Rede sein. Vor diesem Hintergrund bleiben Aktienfonds wohl die langfristig aussichtsreichste Anlageklasse.
Eine nützliche Erkenntnis für die langfristige Anlageplanung.