Es wäre schon bemerkenswert, wenn ein Land binnen 13 Jahren zwei mal seine Zahlungsunfähigkeit erklären muss. Vor allem deshalb, weil die Auswirkungen der ersten Staatspleite nun die Zweite verursacht hätten.

Wir möchten zunächst die Hintergründe der Situation im Lande des Fussballvizeweltmeisters kurz skizzieren, um anschließend einen Blick darauf zu werfen, wie die Bürger auf die Probleme ihres Landes reagieren.

Argentinien am Rande der Zahlungsunfähigkeit

Bereits seit Monaten spitzt sich die Lage immer weiter zu. Ein amerikanischer Hedgefonds nutzte die Argentinien Pleite im Jahre 2001/2002 aus und kaufte sich in billigen argentinischen Staatsanleihen ein. Diese Papiere waren nach US-Recht begeben worden. In 2012 klagte der Hedgefonds Verzinsungsansprüche der letzten 10 Jahre erfolgreich vor einem amerikanischen Gericht ein. Das Ersuchen des vom Bankrott bedrohten Landes, auf diese Zinsen zu verzichten, blieb erfolglos.

Derzeit forscht die Regierung nach Möglichkeiten die Insolvenz abzuwenden. Eigentlich verfügt das Land über ausreichend Kapital um seine laufenden Staatsschulden zu bedienen. Die Altlasten kann man jedoch nicht stemmen. Man müsste dem Gleichbehandlungsprinzip folgend, allen damaligen Staatsanleihebesitzern Zinsen nachzahlen.

Damit noch nicht genug. Problematisch sind auch die Verhältnisse im Land. So erschwert Korruption eine wirtschaftliche Stabilität und hohe Inflation sorgt für ständig steigende Preise. Es wird von einer Inflationsrate von fast 30% auf Jahressicht berichtet. Die Bevölkerung sieht die Schuld in der Staatsführung, andauernde Proteste und Unruhen sind die Folge. Die Währung, der Argentinische Peso, schwächelt erheblich und trägt damit zusätzlich zur Schwächung der Wirtschaft bei. In den letzten fünf Jahren hat der Argentinische Peso gegenüber dem Euro um rund 50% abgewertet, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

ArgPeso_vs_Euro_5Jahre_092014

 Grafik-Quelle: comdirect.de; Währung: Argentinischer Peso vs. Euro 5 Jahre, per 29.09.2014

Bevölkerung flüchtet in Aktien

Aus Protest und vor allem aus Angst vor dem Verfall der Guthaben (im Falle der Staatspleite), bringen die Bürger ihr Geld in Sicherheit, indem Sie in Sachwerte, in heimische Aktien flüchten. Motto: Unternehmensbeteiligungen statt Bankguthaben, lieber in Unternehmen investieren die Werte besitzen, als in einen verschuldeten Staat, der seine Schuldzinsen nicht mehr bedienen kann.
Mit Spannung war seit Ende 2012 zu beobachten, dass der argentinische Aktienindex zu steigen begann und binnen 2 Jahren eine Versechsfachung des MERVAL (der argentinische DAX) erreicht hat:

Merval_5Jahre_09.2014
Grafik-Quelle: comdirect.de; Aktienindex: Merval, 5 Jahre, per 29.09.2014

Argentinien ist weit weg?

Im südamerikanischen Land treffen viele Probleme zusammen. Einige Grundzüge dessen was dort geschieht, wurde von „Untergangspropheten“ auch als drohendes Szenario der Eurozone, in Zeiten der Eurokrise angeheftet. Sicherlich ist dies nur schwerlich vorstellbar. Aber die Mischung aus Staatsschuldenkrise, Wirtschaftskrise, Währungskrise und Inflation ist durchaus im Vokabular der Notenbanken weltweit, als zu bekämpfende „gespenstische Bestie“ vorhanden. Deshalb reicht es nicht, die argentinischen Entwicklungen einfach als absurden Ausnahmezustand wegzuwischen. Man sollte durchaus Überlegungen anstellen, welche Auswege in der Anlagestrategie zur Verfügung stehen. Die Zukunft gehört denen, die sich vorbereiten und die Palette der Möglichkeiten kennen.

Fazit

Argentinien kämpft mit vielen Problemen, im eigenen Land und außenpolitisch sogar um das eigene Land. Die Flucht des Geldes in Sachwerte (in den Aktienmarkt), zeigt eine Möglichkeit die künftig auch anderswo Nachahmung finden könnte. Und zwar dann, wenn steigende Staatsverschuldung, niedrige Zinsen und steigende Inflation aufeinander treffen und das Geldguthaben der Bürger entwerten.