15.02.2012 Der DAX hat in den ersten Wochen des neuen Jahres bereits von 5.900 Punkten auf aktuell 6.800 Punkte zugelegt. Dies entspricht einem Zuwachs von gut 15%. Allerdings hat sich auf den ersten Blick hinsichtlich der Euro-Schuldenkrise nicht viel getan – warum also steigen die Kurse?

Zunächst ein kurzer Blick zurück. Im Börsenkommentar vom 02.11.2011 hatten wir folgende Frage aufgeworfen:

„Wie eine pessimistische Anlegerstimmung zu steigenden Kursen führen kann“

und schlussendlich folgendes Fazit herausgestellt:

„Der Blick auf die grundsätzlichen Verhaltensweisen der Kapitalmärkte lässt derzeit darauf schließen, dass investitionswilliges Kapital an der Seitenlinie steht, um dann in den Markt zurückzukehren, wenn Unsicherheiten durch Perspektiven ersetzt werden können.“

Rahmenbedingungen verbessern sich

Vieles hat sich seither geändert, was den Märkten wieder Auftrieb verleiht:

  • Die EU stützte im Dezember 2011 die Banken mit Liquidität, stellte im Januar weitere Hilfen in Aussicht und verhinderte erst einmal das Horrorszenario eines „Domino- Bankencrashs“
  • Die globale Wirtschaft verlangsamte zwar in 2011 das Wachstumstempo, aber eine befürchtete längere Rezession ist immer weniger wahrscheinlich. In einigen Ländern werden die Prognosen für 2012 sogar wieder optimistischer, z.B. in Japan und Indien. Ebenso offenbart der aktuelle ZEW Index positive Konjunkturerwartungen für Deutschland.
  • Die US – amerikanischen Wirtschaftsdaten zeigen positive Impulse. Die OECD sieht in einigen sich verbessernden Frühindikatoren Hinweise auf ein anziehendes Wirtschaftswachstum in den USA. Auch dies wurde vor rund 3 Monaten noch sehr skeptisch betrachtet.
  • Nicht zuletzt ist die hohe Liquidität im Markt ein Kurstreiber. Wenn Kurse steigen, ziehen Sie damit weiteres Kapital an, erst recht in einem Umfeld niedriger Zinsen.

Dividenden machen Aktien zusätzlich attraktiv

Die 30 deutschen DAX-Unternehmen schütten in diesem Jahr rund 27 Milliarden Euro an Dividenden aus. Damit wird das Rekordjahr 2008 nur knapp unterschritten. Eine angenehme Ertragssituation, denn die durchschnittliche DAX – Dividendenrendite entspricht damit rund 4%. Diese jährlichen Unternehmens- Ausschüttungen liefern dem Anleger einen soliden Sicherheitspuffer in dieser Anlageklasse.

Die detaillierten Dividenden der DAX Unternehmen finden Sie unter folgendem Link:
http://www.mydividends.de/index.php?cont=div&qry=all

Psychologischer Aspekt

Ein gewisser Gewohnheitseffekt kommt mittlerweile ebenfalls hinzu. Wenn immer wieder die selben Schlagzeilen (negativen) auftauchen, stumpft die Sensibilität für solche Meldungen mit der Zeit ab. Man gewöhnt sich daran und wendet sich anderen Betrachtungen zu.

Fazit

Die aktuell steigenden Kurse sind ein Zeichen dafür, dass die überzogen negative Wahrnehmung des Jahres 2011 wieder abgebaut wird. Sicherlich werden sich die makroökonomischen Probleme des Vorjahres nicht einfach auflösen, weshalb mit weiteren Marktunsicherheiten gerechnet werden muss.
Die Marktteilnehmer wenden sich jedoch wieder verstärkt der fundamentalen Betrachtung und damit der Bewertung von Unternehmen zu und finden dabei ein substantiell solides Umfeld vor. Deshalb steigen die Kurse.

Alljährlich gilt es eine Auswertung der Anlageergebnisse der Investmentfonds vorzunehmen. Zum Jahresende 2011 kommen dabei teils neue Erkenntnisse zum Vorschein. Nachfolgend geben wir einen kleinen Einblick in unsere Überlegungen bei der Fondsauswahl.

Mischfonds, zwischen Anfangseuphorie und Demut

Im Vorfeld der Einführung der Abgeltungssteuer zum 01.01.2009 wurde eine Fondskategorie wiederbelebt, die bis dahin nahezu ausgestorben war. Die Rede ist von Mischfonds. Mit der Banken- und Immobilienkrise in den Jahren 2008 – 2009 gewannen besonders Mischfonds an Bekanntheit, die in dieser verlustgeprägten Phase einen Kapitalerhalt für Anleger erzielen konnten. Schnell wurde in solchen Fondskonzepten, die teilweise sehr flexibel in jeder Marktlage anlegen dürfen, eine Art „Eierlegende Wollmilchsau“ für Kapitalanleger hineininterpretiert. In kurzer Zeit flossen hohe Anlagevolumen in viel versprechende Konzepte.
Auch in 2010 und 2011 profitierten viele dieser Fonds von den guten Referenzen der vorangegangenen Krise. Man argumentierte, dass besonders die Fonds, welche in vergangenen schwierigen Marktphasen gute Ergebnisse liefern konnten, auch in folgenden turbulenten Börsenzeiten besser als die Konkurrenz abschneiden könnten.

Nachdem in vielen dieser Fondskonzepte nun eine Historie mit zwei krisengeschüttelten Marktphasen entstehen konnte, sieht die Praxis eher ernüchternd aus. Einigen Mischfonds gelang in Phasen mit fallenden Börsenkursen die Verlustvermeidung recht gut. Jedoch wurde anschließend von den steigenden Kursen weniger profitiert. Man blieb zu vorsichtig und kam teilweise nicht voran.
Andere Fonds erreichten nach Ihrer Gründung, wegen der fortlaufend anspruchsvollen Marktbedingungen der letzten Jahre, zu keinem Zeitpunkt die Gewinnzone. Zu Ernüchterung in der Performancebetrachtung führt dies, weil viele Prospekte überzogene Erwartungen geschürt hatten. Auf Seiten des Fondsmanagements wurden bei so manchem Mischfonds die dynamischen Renditeziele von der rauen Marktrealität weggespült. Unterm Strich ist zu fest zu stellen, wer im letzten Börsenabschwung gute Entscheidungen treffen konnte, hat damit noch kein verlässliches Zukunftsrezept. Immerhin gelang es dennoch einigen Fondslenkern, über beide Krisenphasen (2008/09 und 2011) hinweg, das Fondskapital zu erhalten oder gar zu vermehren.

Um über das Segment der Mischfonds hinaus Rückschlüsse zu prüfen, musste auch die Entwicklung von Aktienfonds verschiedener Kategorien erneut unter die Lupe. Hier zeigt sich gleichermaßen, das nur eine überschaubare Anzahl Fondsmanager je Kategorie dauerhaft überzeugen kann. So variieren besonders bei global anlegenden Aktienfonds die Spitzenreiter in der Performance deutlich, je nach der gewählten Vorgabe auf der Zeitachse.

Ebenso sind Fondskonzepte mit so genannten Trendfolgemodellen keineswegs als Selbstläufer zu sehen. Die schnellen Trendwechsel im sehr volatilen Jahresverlauf 2011 ließen den computergesteuerten Systemen, welche hier zu Grunde liegen, keine Zeit sich zu entfalten.

Emotionale Falle: historische Wertentwicklung

Die wirkliche Leistung eines Fonds wird erst sichtbar, wenn man eine Vergleichsbasis für die erzielte Wertentwicklung herstellt. Hierfür kann eine zu Grunde liegende Benchmark oder eine Vergleichskategorie herangezogen werden (eine Gegenüberstellung mit ähnlich anlegenden Fonds). Erst dadurch lassen sich Ergebnisse in ein Verhältnis setzen. Nützlich ist die Betrachtung über mehrere Zeiträume und verschiedene Kapitalmarktphasen hinweg. Somit lassen sich emotionale Anlageentscheidungen vermeiden, bei denen darauf gehofft wird, das kurzfristig erzielte Resultate einfach in der Zukunft fortgeführt werden können. Genau dies ist nur selten der Fall. Diese Erkenntnisse sind natürlich nicht neu, sondern erneut bewiesen.

Wenn man es etwas überspitzt ausdrücken möchte, dann zählen die Gewinner von gestern tendenziell eher zu den Verlierer von Morgen. Denn, häufig gehört für einen Fonds auch eine Portion Glück zum Sprung an die Spitze dazu. Dauerhaft reproduzierbar ist dies dann oftmals nicht.

Fondsauswahl ein fortlaufender Prozess

Die Auswahl der einmal investierten Fonds in einem Portfolio muss zwingend regelmäßig überprüft werden. Es gilt die erreichte Wertentwicklung auszuwerten. Besonders erfreulich ist hierbei die Feststellung, das ehemalige Favoriten noch immer überzeugen können. Anders bei unterdurchschnittlich abschneidenden Fonds, hier ist ein zu langes Abwarten und Festhalten wenig sinnvoll. Immer wieder treffen wir in Fondsdepots, die zur Überprüfung an uns herangetragen werden, auf Fonds die bereis seit vielen Jahren den Möglichkeiten hinterher laufen und deshalb Unzufriedenheit auslösen. Aussitzen ist manchmal notwendig, aber nur selten eine  Strategie.
Selbstverständlich ist ein voreiliges Handeln (beim Verkauf) ebenso das falsche Rezept. Wenn sich ein Fonds schon nach kurzer Investitionszeit als nicht zufriedenstellend erweist, wurde wahrscheilich im Researchprozess zu dieser Investmententscheidung etwas übersehen. Hierbei muss noch berücksichtigt werden, welche Chancen sich in der jeweiligen Kapitalmarktsituation geboten haben, um die gewünschte Rendite zu erwirtschaften. Beispiel: Bei allgemein fallenden Börsenkursen muss auch bei einem guten Aktienfonds mit Verlusten gerechnet werden. Wer dies von vorne herein nicht dulden möchte, ist in anderen Fonds besser aufgehoben.

Fondsauswechselungen: im Zeitverlauf notwendig, mit Übersicht

Unsere Erfahrungen haben ergeben, dass es als eine normale Weiterentwicklung zu verstehen ist, wenn innerhalb von zwei Jahren jeder fünfte Fonds ausgewechselt werden kann. Das geschieht zumeist entweder aus Qualitätsgründen oder wegen personeller Veränderungen im Fondsmanagement. Wenn in einem Portfolio (eine breite Streuung auf mehrere Fonds vorausgesetzt) nach fünf Jahren keine Fonds-Veränderungen stattgefunden haben, laufen die Anlageergebnisse den Renditemöglichkeiten wahrscheinlich hinterher.

Schließlich entstehen ständig neue Ideen im Fondsmarkt. Einige davon reifen mit der Zeit zu ernst zu nehmenden Investmentkonzepten heran. Wo gute Alternativen nachwachsen, fällt ein Wechsel manchmal leicht.